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Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Ein Ehrenmal für Stralsund

... das letzte dieser Art, bei dem sich aber Ernst Barlach veranlasst sah, nach eingereichten Entwürfen zurückzutreten. In einem Artikel von Oscar Gehrig, der am 29.12.1932 im Stralsunder Tageblatt erschienen war, wurden Ernst Barlachs Entwürfe vorgestellt, die er eingereicht hatte, nachdem er vom Kreis–Krieger-Verband Ende September 1932 aufgefordert worden war, zu einem Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges in Stralsund Entwürfe zu unterbreiten. Das waren, hier in veränderter Reihenfolge (vgl.1, S. 160):

1. „Der Gefesselte oder Der Mann in Ketten”, vorgesehen für die damalige Hindenburg–Promenade, heute Thälmann–Ufer, oder auch für den Altmarkt neben dem Rathaus.
2. „Drei Soldaten“, vorgesehen als freistehendes Denkmal etwa für die Anlagen am Triebseerdamm.
3. „Stele mit übereinander angeordneten Reliefs dreier Gefallener und über dieser Gruppe aufragendem Engel, die Flügel vor der Brust geschlossen, den Blick streng zur Seite”

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Bild: „4. Die Pietà”, eine Mutter mit totem Soldaten, vorgesehen für den kreuzgangartigen Vorhof des Johannes-Klosters in Stralsund, 1932 (Nr. 86: 1, S. 163, 26)

Bereits am 1. Oktober 1932 gab es ein Schreiben an den Theaterkritiker Arthur Eloesser, indem Ernst Barlach mitteilte, dass auf ihn Prüfungen warten würden, Kreis- Kriegs-Verbände hätten von ihm Entwürfe für ein Ehrenmal in Stralsund erbeten. Barlach sehe Ärger und Verdruss ohne Maßen voraus, aber in Stralsund eine Arbeit zu haben, locke ihn sehr. Im Dezember 1932 fand auf einem Abgeordnetentag des Kreis-Krieger–Verbandes die Begutachtung der eingegangenen Entwürfe statt. Besonders gewürdigt wurden die Entwürfe von Hugo Lederer, Berlin und Hans Schwegerle, München. Sie hatten auch ihre Bereitschaft bekundet, den Wünschen der Auftraggeber entgegen zu kommen und neue Entwürfe vorzulegen. Zu Barlach gab es Äußerungen dergestalt, dass er nicht bereit sei, Abänderungsvorschläge der Auftraggeber zu akzeptieren. Ab Januar 1933 wurde Barlachs Haltung zu seiner Mitarbeit an der Gestaltung des Stralsunder Ehrenmals immer unentschlossener: Das ganze Unternehmen erscheine ihm schon „fürwitzig” und „aussichtslos” (vgl. dazu auch 1, S. 160 f.).

Bereits zwei Monate später, am 18.03.1933 zog Ernst Barlach seine Bewerbung um den Denkmalsauftrag zurück,

„nicht ohne dringenden Anlass..., um größerem Ungemach zu entgehen, um nicht noch mehr zu riskieren als einen Verlust” (7, S. 82).

Ernst Barlach hatte die politische Situation vor Augen, man wollte wieder einmal, und das 15 Jahre nach dem Ende des I. Weltkrieges und jetzt im Jahre der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus, in einem Denkmal für die Gefallenen eine Heldendekoration, „eine versteckte Art von Sieges-, Prunk- und Protzdenkmal.”

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