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Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Ernst Barlach lebt in seinen Werken weiter

Ernst Barlach lebt in seinen Werken weiter

Die Herrschaft des dritten Reiches, das tausend Jahre existieren sollte, war wie ein böser Spuk nach 12 Jahren des Grauens für die Menschen in Deutschland und in den meisten Ländern Europas vorbei. Die Nationalsozialisten und ihre Sympathisanten hatten während ihrer Regentschaft geglaubt, Ernst Barlach durch die Entfernung, Zerstörung, Einschmelzung, Magazinierung seiner Plastiken, vor allem seiner Ehrenmale, physisch und psychisch vernichten zu können. Aber Ernst Barlach lebt in seinen Werken weiter.

Der ostpreußische Dichter Ernst Wiechert schrieb zum Ableben Ernst Barlachs:

Schon, dass er da war, welch ein Gewinn und welch ein Trost für alle, die nach ihrem Wege suchen. Und welch ein Trost, dass er immer da sein wird in seiner ’anderen Dauer’ (3, S. 296).

Nach Abschluss seiner Arbeiten an den Großplastiken für den öffentlichen Raum fand Barlach noch einmal die Kraft, bedeutende Klein-Plastiken zu erschaffen und — einem Credo gleich — damit sein Lebenswerk zu krönen.


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„Das schlimme Jahr 1937", 1936 fertiggestellt, Eichenholz:

Die Fassung in Holz wurde erst zum Jahresende 1936 fertig, und sie heißt in Erwartung weiterer Bedrohungen „Das schlimme Jahr 1937".

Bild: „Das schlimme Jahr 1937", 1936, Gips (Nr. 91: 26)


Plastik Frierende Alte

„Frierende Alte", 1937 Teakholz:

Am Gipsmodell der „Frierenden Alten" arbeitete Barlach unmittelbar im Anschluss an die „Lachende Alte" in den Monaten Januar bis Anfang März 1937.

Bild: „Frierende Alte", (Die alte Gewittersche) 1937, Teakholz (Nr. 92: 6, S. 144, 26)


Plastik Lachende Alte

„Lachende Alte", 1937, Stukko, getönt:

In Briefen kurz nach der Beschlagnahme seiner Arbeiten bringt Barlach mit der „Frierenden Alten" seine Klage zum Ausdruck, ebenso wie sein heimliches Triumphieren, von dem die „Lachende Alte" kündet.

Bild: „Lachende Alte", 1937, Stukko getönt (Nr. 93: 6, S. 149, 26)


107_small.jpg„Der Zweifler", Teakholz, 1937:

Diese Plastik wurde seit 1912 in verschiedenen Zeichnungen vorbereitet. In der Druckgrafik zeigt sich dieses Motiv unter dem Titel „Der Blinde". Barlach wird in diesen beiden Figuren (Der Blinde, Der Zweifler) keinen Widerspruch gesehen haben. Barlachs Zweifler ist ein Sehender, und der Blinde ist im Leben oftmals der „einzig richtig Sehende".

Bild: „Der Zweifler", 1931, Gips getönt (Werkmodell) (Nr. 94:   6, S. 139, 26)


Plastik Der Flötenbläser„Der Flötenbläser", 1936, Zink:

Barlach schreibt: Musik setze sich bei mir oft unmittelbar in Bildvorstellung um. Er fühle sich überhaupt durch Musik dem Schöpferischen an sich am nächsten. Er habe oft plastisch und zeichnerisch musikalische Themen gewählt. Mit dem „Singenden Mann" und dem „Flötenbläser" hat Barlach zwei Plastiken geschaffen, die wegen ihrer meisterlichen Gestaltung eines musikalischen Themas einen hohen Bekanntheitsgrad unter den Menschen gefunden haben, selbst wenn Barlach im „Flötenbläser" ein Musikinstrument erkennen lässt, das mehr aus der Phantasie heraus geformt worden ist: Das Mundstück des Instrumentes, der Körper des Blasinstrumentes, dessen Haltung, der Begriff „Flöte" sind sich widersprechende Begriffe, durch die die künstlerische Wirkung der Plastik eines Musizierenden in keiner Weise Schaden genommen hat.

Bild: „Der Flötenbläser", 1936, Zink (Nr. 95: 6, S. 147, 26)


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„Wanderer im Wind", 1934, eine Art Selbstbildnis in schwerer Zeit:

Das Thema „Wandern", für Barlach ein unverzichtbarer Lebensinhalt, wurde nach

Abschluss seiner Arbeiten an den Großplastiken noch einmal zu einer künstlerischen Herausforderung. Dieser Wanderer ist kein Spaziergänger, er ist ein Mensch, der unterwegs ist, sich dem Wind, dem Sturm, dem Unwirtlichen widersetzend, ein Mensch, der Mut und Kraft noch einmal aufzubringen in der Lage ist, sich gegen alle Unbilden der Natur, aber auch gegen alle Anfechtungen der Menschen aufzubäumen. Paul Schurek drückte in einem Brief vom 18. 3. 1934 aus, was er beim Anblick des „Wanderers im Wind" empfand: ..."unbeirrt ging der Mann im Mantel seinen Weg durch Wind und Wetter, ein Sieg auch er, Triumph über die Widerstände eines bösen Jahres". „Barlachs bewusste Widersetzlichkeit hält sich hier versteckt".

Bilder: „Wanderer im Wind" (Detailansicht), 1934, Holz (Nr. 96, 4, S. 26, 26)


Foto Barlach vor Plastik

Bild: Der 64jährige Ernst Barlach im Juni 1934 vor der fertigen Holzskulptur „Wanderer im Wind" (Nr. 97: 7, S. 83, 26)


Menschen von heute und morgen können ihren kulturellen wie künstlerischen Bedürfnissen und Ansprüchen folgen, indem sie die Wirkungsstätten Ernst Barlachs aufsuchen, um sich an den bedeutenden Kunstwerken zu erfreuen (ausgewählte Angaben):

  • 1947: Wiederaufstellung und Vollendung der „Gemeinschaft der Heiligen" an der Katharinenkirche in Lübeck
  • 1948: Wiederaufstellung des Magdeburger Mals, zunächst in der Staatlichen Galerie Moritzburg bei Halle
  • 1949: Neuanfertigung und Wiederanbringung des Reliefs am Hamburger Mal neben dem Rathaus
  • 1952: Rückkehr des „Dom-Engels" nach Güstrow und Wiederaufhängung
  • 1953: Eröffnung der Gertrudenkapelle in Güstrow als ständige Barlach-Gedenkstätte
  • 1954: Wiederaufstellung des „Geistkämpfers" vor der Nikolaikirche in Kiel
  • 1962: Eröffnung des Ernst-Barlach-Hauses in Hamburg
  • 1955: Eröffnung einer ständigen Ausstellung in Barlachs „Vaterhaus" in Ratzeburg
  • 1978: Eröffnung des Güstrower Atelierhauses als Ernst-Barlach-Gedenkstätte