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Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Schönberg/Mecklenburg (1872 - 1876,1884 - 1888)

Stadt Schönberg, Am Markt 15, 23923 Schönberg, www.stadt-schoenberg.de, info@stadt-schoenberg.de

Ernst Barlach verlebte in Schönberg, dem Fürstensitz von Ratzeburg, von 1872 bis 1876 seine Kindheit bis vor dem Eintritt in das Schulalter. 

Bild links: Landkarte (Ausschnitt) mit den Orten Schönberg / Lübeck / Grevesmühlen / Selmsdorf / Gadebusch / Ratzeburg, mit der Autobahn A 20, der Lübecker Bucht und dem Ratzeburger See, aus Quelle www.stadt-schoenberg.de (26)
Bild rechts: Stadtplan Schönberg mit Barlach – Stationen, aus Quelle 31, S. 51: (26)

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Unter der Überschrift “Ich werde hörig“ erfährt der Leser aus Barlachs “selbsterzähltem Leben“ (Seite 8 – 12) interessante Begebenheiten, die das Kind Ernst Barlach im Alter von 2 bis 7 Jahren in Schönberg erlebt hat. Barlach selbst bekennt sich in seiner Biografie zu seinem Erinnerungsvermögen der Jahre in Schönberg:

“Die Sattheit und Schwere der Wedeler Marschen, die Elbfernen, sind mir fortgeschwemmt, aber die Schönberger Tage und Nächte sind schon auf festen Erinnerungsboden gekommen.“

Nach der Geburt der Zwillinge Nikolaus und Joseph am 8.8.1872 war die Familie Barlach vollzählig: Die Eltern Louise Barlach und Dr. Georg Barlach hatten vier Söhne. Ernst Barlach war der älteste Sohn, sein Bruder Hans war ein Jahr jünger. Nun wohnte die Familie bis 1876 unmittelbar in der Nähe der St. Laurentius - Kirche (2) und des Marktes (1) in der Siemzer Straße 5, der heutigen August-Bebel-Straße 3. Hinter den Häusern befand sich der Oberteich:

Bilder von der Familie Barlach aus der Zeit, als sie 1872 in der Siemzer Straße 5 eingezogen waren, aus Quelle 31. S. 11 (26): 

Bild links: Louise Barlach und Dr. Georg Barlach
Bild mitte: Ernst Barlach, links, dreijährig und sein Bruder Hans
Bild rechts: Die Zwillinge Nikolaus und Joseph

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“Nach ein paar glücklichen Jahren verzogen meine Eltern mit uns nach Schönberg, des Fürstentums Ratzeburg Hauptstadt... und ich entdeckte die Welt außerhalb des Hauses.“

Bild: Blick vom Turm der St. Laurentius – Kirche in Richtung Markt , im ersten Haus rechts wohnte die Familie Barlach in der ersten Etage, aus Quelle www.stadt-schoenberg.de  (26)

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Folgende Fotos unter 25 entstanden im Juli 2009 auf einer Reise nach Schönberg: 

Bild links: Gesamtansicht des Hauses, in dem die Barlachs während des ersten Aufenthaltes (1872-1876) in Schönberg wohnten, 25
Bild mitte: Eingangsbereich des Wohnhauses Nr. 3 mit der Erinnerungstafel, 25
Bild rechts: Erinnerungstafel am Haus, in dem der Bildhauer Ernst Barlach wohnte, 25

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Im Erdgeschoss des Hauses Siemzer Straße 5 wohnte auch die Familie Steffan, der Vater war Generalpostmeister, sein Sohn Edmund, etwa gleichaltrig, freundete sich mit Ernst Barlach an. Während der Schönberger Tage hatten die zwei Jungen tagsüber genug Freizeit, allerlei Spannendes und Aufregendes zu erleben, aber auch  Schlimmes auszuhecken:

So ging Ernst Barlach auf die Straße vor dem Haus

“Hier nahm mich Edmund Steffan in Empfang und ließ sich meine Unterweisung in seiner Art von Lebenskunst viel Mühe kosten, und ich war gelehrig und ward hörig.“

Ernst Barlach sollte ein gefundenes Hufeisen zu Geld machen

“Ich wurde damit in die Schmiede geschickt, wo es der Geselle nahm und zu andern warf. So war es aber nicht gemeint, und Edmund Steffan ließ mein Kommen mit leeren Händen nicht gelten. Er scheuchte mich zurück, und ich verlangte Bezahlung. “Kumm, sagte ermunternd derselbe Geselle, ließ seine rußigen Hände vom Blasebalg los und gab mir eine Maulschelle. – Aber Geld wurde doch beschafft, wenn auch auf andern Wegen.“

Die alte Schmiede (Nr. 5 des Stadtplans) war das Nachbarhaus zum Wohnhaus der Jungen Ernst und Edmund (Nr. 4 des Stadtplans).

Bild: Alte Schmiede, 25

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Für wen war das Wechselgeld des Milchmannes bestimmt, das auf dem Küchentisch lag? 

Das Wechselgeld ...

“... lag auf der Tischplatte wie für uns bestimmt da.
Was wir nicht sogleich für Lakritzen aufbrauchten, verbargen wir unter Blättern in den Kübeln der Oleanderbäume vor des Krämers Laden.“

Ernst Barlach plante einen Hauptstreich mit dem Taler fürs Bier:

“Ich ließ mir von meinem Vater, der mit Pastor Ohl aus Selmsdorf bei dickem Zigarrenrauch Gespräche über ‚hohe heilige Dinge’ führte, einen 'Taler für Bier’ geben, eine Besorgung, die mir schon öfter aufgegeben war, wenn der Mann mit den dreißig Flaschen Aktienbier im Korbe kam. Vater entäußerte sich seines arglosen Talers, und ich damit flott zum Kaufmann Ott und für den Taler dreist Lakritzen verlangt. Als ich aus der Tür trat, hatte das Schicksal, das seine Rache nicht hastig genug betreiben konnte, Pastor Ohl zur Stelle gebracht. Pastor Ohls Hand langte nach meiner mit dem geliebten Naschkram und überlieferte mich der meines Vaters, eines heftig erzürnten Vaters. Das Gelump flog zum Fenster hinaus, und mir kam zu, was meine Tat wert war.“ 

Bild links: Blick auf den Oberteich, 25
Bild mitte: Blick vom linksseitigen Ufer des Oberteiches auf die Kirche St.-Laurentius 31, S. 35 (26)
Bild rechts: Blick auf die südliche Spitze des Oberteiches, rechts befindet sich das Gebäude des Ernst-Barlach-Gymnasiums (seit 2001), aus Quelle stadt-schoenberg.de,  S. 3

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Bild links: Eingangsbereich des Barlach - Gymnasiums, Goetheplatz 5, 25
Bild mitte: Informationstafel zur Geschichte des Gymnasiums, rechts vom Eingang, 25
Bild rechts: Gesamtansicht des Gymnasiums, an der Südspitze des Oberteiches gelegen (Nr. 12 des Stadtplans), 25

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Es gab noch andere Gelegenheiten, schuldig zu werden:

“Hinterm Hause der Teich war eine Welt voll Wunder, und überm Wundern fand man sich unversehens als aus dem Wasser gezogenes Kind geborgen, aber nicht bedauert, denn es war streng verboten, ins Wasser zu fallen; wer es dennoch nicht ließ, bekam Schläge. Einst war Edmund Steffan vom Steg geglitten, und wir zwei Retter, Hans und ich, hielten uns verzweifelt an seinen Beinen fest, unbehilflicher als er, der mit dem Kopf unter Wasser lag und sich ohne uns wohl leichter herausgeholfen hätte.“

Mich hatte es ein anderes Mal erwischt, und bald lag ich trocken im Bett und wartete:

“Vater kam heim, und ich hörte ihn mit forschen Schritten, wie es seine unverkennbare Art war, herantreten. Ob er den Stock mitbrachte, weiß ich nicht, denn gewillt, dem Verhängnis auf einem gangbaren Wege auszuweichen, tat ich die Augen zu und stellte mich, zwar nicht tot, aber schlafend, und tat es so lauter, dass alles seine freundliche Wendung nahm. Vaters Schritt wurde sanft, er hielt inne und bog vom Wege des Rechts ab. Leise ging die Tür, und ich fand es gut so.“

Aber im Winter bekam der Teich seinen kalten Meister

"Das Eis bot uns erlaubte Bahn. Mich, mit dem väterlichen Verbot des Ertrinkens im Kopfe, überkam die Vorstellung, dass wohl auch der Vater einmal schuldig werden könne, als er mit andern Herren in der Dunkelheit auf dem Eise geblieben war, und ich rannte in der Gitterbettstelle auf und ab und schrie meiner Mutter in die Ohren: ‚Barlach ist tot, Barlach ist tot!’“

Edmund Steffan wurde von Zeit zu Zeit unsere Treppe heraufgeboten 

“Dann gab ihm meine Mutter ein gutes Butterbrot und fügte eine Pauke hinzu, die er mit scheelen Blicken ausdauerte, solange das Kauwerk arbeitete. Sie änderte nichts an ihm, aber ich wurde anderweitig hörig.“

Und noch andere Spiele eines flügellüftenden Nesthäkchens von Seele 

“Beim Gang ins Zarnewenzer Gehölz beobachtete meine Mutter, wie ich mit einer Gerte die Klettpflanzen des Grabens peitschte und murmelnd immer dasselbe versicherte: 'Sag die Wahrheit, sagt meine Mutter zu mir – sag die Wahrheit...’ Was sie danach als Erklärung aus mir herauslockte, war dieses: ich hatte einem anderen Jungen Kletten ans Zeug gesetzt, weswegen seine Mutter gewiss fragen würde; wo es denn gewesen sei; und er leugnend, im Wald oder Feld herumgetrieben zu sein, bei offenbarem Lügen erwischt, angefahren werden würde:''Sag die Wahrheit, sagt meine Mutter zu mir’. 

Was ist mit den vielen Pflichten der Louise Barlach?

“Meine Mutter empfing von ihren Kindern so viele Pflichten, dass sie mit aller erdenklichen Vorsicht wohl die Frage tat, ob denn die Welt für sie bloß noch Kinderklein, Geschrei, Darmtücken, Kleidernässen und Krankenwartung übrig habe – ich warf mich ins Mäntelchen und erklärte: “Nu geit’ Juhlen all wedder los“ – und ging auf die Straße.“

Um die Zeit, wo seine Söhne einen Podex nachweisen konnten, der den Strapazen gewachsen war, ließ mein Vater sie zur Teilnahme an der Praxis zu

“natürlich zur Landpraxis, die jetzt mit Fuhrwerk besorgt wurde – und da bin ich denn wirklich einmal bis ans Ende der Welt gekommen. Ich wusste bestimmt, dass das Hinschweifen durchs raumlose Dunkel am Rande der Wirklichkeit stattfand, und hatte viel, viel Zeit, über solche Selbstverständlichkeit des Unwahrscheinlichen ohne Ablenkung nachzudenken, denn gesprochen wurde auf all diesen Landfuhren fast nie.“ “Ich kam zu großen und kleinen Leuten, zu Bauern und Herren, sah Menschen und Dinge unter niedrigen und stattlichen Dächern, und lernte – Geduld und Warten, denn der Dr. Barlach betrieb nach seiner eigenen Formulierung keine Dampfdoktorei und vergaß an Krankenbetten frierende Pferde, Kutscher und Kind. Ich meine, die beste Erziehung liegt im Beispiel wertvollen Tuns, und Kinder haben außer Augen und Ohren noch mancherlei empfangende Organe. Es braucht nicht beim Verschlucken von Knöpfen, Zigarrenstummeln und Auflesen der Leckereien vom Mistberg zu bleiben.“

Auf nach Ratzeburg: 

“Einmal sah ich nach räderndem Verlauf mancher Stunde von einem Steg in einen grünlich - unvergesslichen Wasserabgrund, sah von sicherer Sandigkeit eines Ufers jähes Hinabgleiten der Welt in Bodenverlorenheit, und als später mein vergnügter und befreiter, von Zuversicht gleichsam angeheiterter Vater zu mir sagte: 'Wir ziehen bald nach Ratzeburg’, da fragte ich hellhörig zurück: ‚Ist das da, wo das schöne Wasser war?’ – Das war es.“

Dem 5-jährigen Aufenthalt in Schönberg schloss sich ein vielgestaltiges Leben des jungen Mannes Ernst Barlach mit den Mitgliedern der Familie Barlach bis zum Juni 1884 in Ratzeburg an, als plötzlich Dr. Georg Gottlieb Barlach, Ernsts Vater, verstarb. 

Im Herbst des Jahres 1884 kehrte Louise Barlach mit ihren Kindern nach Schönberg zurück. Ernst Barlach setzte nach den Anfängen seiner Schulzeit in Ratzeburg diese nun in Schönberg bis zum Abitur im Jahre 1888 fort. 

Unter der Überschrift “Ich fühle mich sehr“ und “Ich werde geschoben“ erfährt der Leser aus Barlachs “selbsterzähltem Leben“ (Seite 26 – 31) Bemerkenswertes über Ernst Barlach als Schüler und Jugendlicher im Suchen nach seinem zukünftigen Wirken   

1884, wenige Monate nach dem Tod des Vaters Dr. Georg Barlach zog die Witwe Louise Barlach mit ihren vier Söhnen wieder nach Schönberg. Jetzt wohnte die Familie für kurze Zeit im ehemaligen Hotel Maaß (Nr. 6 des Stadtplans), danach bis 1888 im Haus Ratzeburger Straße 6.   

“Ich fühle mich sehr“

Bild links: Barlachs Wohnung im Haus Ratzeburger Straße 6, Gesamtansicht, 25
Bild mitte: Detail des Hauses Nr. 6, 25
Bild rechts: Erinnerungstafel zu Barlachs Wohnung von 1884 – 1888, 25

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Meine Mutter zog im Herbst 1884 mit uns nach Schönberg zurück, ich war vierzehn Jahre.

“Sie ging täglich und stündlich gefasst und tapfer den Witwenweg der sorgenvollen Alltäglichkeit – ich, als Schüler nichts Ganzes, weder gut noch schlecht, spitzte die Ohren und horchte seitwärts und aufwärts nach all den neuen Tönen, die meinen Flegeljahren gepfiffen wurden. Da fand ich als erstes und Hauptstück die wuchernde, sozusagen aus dem Rinnstein und dem holperigen Pflaster des Nestes sprießende blaue Blume einer waschechten Romantik ohne Hemmung, Hut und Üblichkeit, in die ich noch mit kurzen Hosen angetan hineintaumelte.“

Bild: Auszug aus der Schönberger Konfirmandenliste von 1886, aus Quelle 31, S. S. 21 unter 4. Ernst Heinrich Barlach, 2009 (26, 02/02/2010)

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Dazumal litt Barlach hart an dem Begehr nach Bewunderung und Geltung 

Ich ...

“... ergab mich weidlich dem Kultus des falschen und erschwindelten Bestauntwerdens – so malte ich mir aus dem Tuschkasten eine rotklaffende Wunde auf die Stirn, ging auch gehoben von der eingebildeten Würde als Sozius eines wüsten Abenteuers damit auf die allerdings nicht mehr taghelle Straße, weiß aber nicht, ob irgend jemand von dieser Mordgeschichte Notiz genommen hat.“

Ich hatte vom Vater einen Westentaschen - Seume, enthaltend den Spaziergang nach Syrakus, geerbt – Ernst Barlach versuchte sich daraufhin im Schreiben

“und dieses Dingchen von Buch, dessen Besitz mich seltsam befriedigte, als ob ein Leitfaden zum Leben als Wanderer, Schriftsteller und Sonderling ganz eigen für mich zugerichtet sei, ließ mir keine Ruhe, bis ich ihm ein Gegenstück leiblich gleicher Beschaffenheit erstellt hatte., aus der eigenen Feder mit mikroskopisch kleinen Schriftzeichen – schrieb und schrieb ohne Rücksicht auf die Augen, und erlaubte obendrein meinen drei Brüdern, sich mit Zuhören abzuquälen, wie das trächtige Bäuchlein von Buch immer voller wurde.“

Ernst Barlach knetete ein Dutzend Vögelchen für ein Brettspiel, zuerst einen Kiebitz 

“Damit wurde mir eine Tür geöffnet und ein sanfter Schub ermunterte mich einzutreten in ein Werkstübchen, von dem ich nicht wissen konnte, dass es sich zur Lebenswerkstatt auswachsen würde. Ich erhielt von der Frau Schuldirektor durch Vermittlung meiner Mutter die Aufforderung, für ein so oder so geartetes Brettspiel ein Dutzend Vögelchen zu kneten, ein Klümpchen Ton in die Hand zu nehmen und – nun als Anfang – einen Kiebitz zu formieren. Es wurde einer und das andere Geflügel folgte, bis das Dutzend voll war.“

Einem Stück oder mehreren Scheiten Buchenholz verhalfen meine Finger mit zufriedenem Getue zur Form eines Tieres oder Blattes  

“In der Werkstatt des Steinmetzen Busch (Nr. 8 des Stadtplans) uns gegenüber boten sich Bruchstücke von Grabsteinen zu allerlei schnurrigen und kindlichen Gestaltungsversuchen an. Meister Busch lobte zwar die ehrliche Ruhe meiner Hand, aber die einzelnen graden, nicht zu schlank und nicht zu fett ausgefallenen Buchstaben auf einer höllisch blank polierten Mamorplatte als Weihnachtsgabe für meine Mutter waren von seiner zünftigen Hand – auf die halbwegs unauffällig mitlaufenden geringeren durfte die meine stolz sein. Es waren friedlich belebte und mit leiser Inbrunst gefüllte Stunden, wenn ich mich so dem schönen Belieben ohne Selbstkritik überließ, meine Nase hielt wohlgefälligen Umgang mit Holzspänen und Sandsteinstaub und die Welt war ein Kämmerchen für meine Selbstbescheidung, wo ich ohne Arg hantierte und eine Art Entfaltung mit der Gläubigkeit der Pflanze geschehen ließ.“ 

Bild links: Werkstatt von Steinmetz Busch zur Zeit Barlachs (Nr. 8 des Stadtplans) Quelle 31, S. 22 (26)
Bild rechts: Firmenschild vom heutigen Steinmetzbetrieb Kaulfersch (Nr. 10 des Stadtplans), Ratzeburger Straße 69-95, 25

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Der Wohnung Barlachs gegenüber und neben der Werkstatt von Steinmetz Busch befand sich die Tischlerei Vierig, Ratzeburger Str. 1 (Nr. 7 des Stadtplans). Louise Barlach und Frau Vierig waren gut bekannt miteinander. 

Bild: Firmenschild Tischlerei Vierig, 25

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Ernst Barlach äußerte sich allgemein zur Schule, Edmund Steffan wurde für Ernst Barlach zu einem Nichtsein

“Ich hockte in den Klassen, rutschte von den Bänken der unteren auf die der oberen – Edmund Steffan, dessen Mund noch immer nicht weiträumig genug war, um alle heiseren Wortklumpen halbwegs geordnet oder gegliedert auszuschneiden, fing an, für mich in ein Nichtsein zu gleiten, die alte Hörigkeit war längst verdorrt, ich trug meines Vaters solide Schoßröcke auf – und war bei allem einer geheimen Sicherheit wo nicht stolz, so doch froh, wo nicht froh, so doch zufrieden...“ 

Die Schüler des Realgymnasiums haben untereinander Plattdeutsch gesprochen. Der Schuldirektor soll das abgelehnt haben, vor allem weil seine Schüler das Hochsdeutsch pflegen sollten. Ernst Barlach sah in dieser plattdeutschen Sprache einen unermesslichen Vorteil für sich. Diese Sprache soll auch später eines seiner Steckenpferde gewesen sein (vgl. dazu: 31, S. 28f.). 

Vom Lehrer und Volkskundler Fritz Buddin, der das Schönberger Heimatmuseum 1931 gegründet hatte, gibt es eine Beurteilung über Ernst Barlachs Schulzeit, rückwirkend aus dem Jahre 1930: “Zunächst musste ordnungsgemäß die Umschulung vorgenommen werden. Nach der Chronik der Realschule geschah das im August 1884, und zwar kam Ernst, der nun 14 Jahre zählte, nach 2 b (heute Untertertia)... Ernst als der älteste und begabteste unter den Brüdern, steht im Osterprogramm der Realschule als Primus ... verzeichnet. Seine Versetzungen sind 1885 nach 2 a“ (Obertertia) “1886 nach 1 b“ (Untersekunda), 1887 nach 1 a, also nach Obersekunda. Ostern 1888 bestand er die Reifeprüfung für die Prima (Quelle 31, S. 27).“

1. Bild von links: Ernst Barlach 1887 im Alter von 17 Jahren, aus Quelle 31, S. 9 (26) 
2. Bild von links: Programm (gekürzt) der Großherzoglichen Realschule zu Schönberg für die am 21./22. März 1888 stattfindende Prüfung aller Klassen, aus Quelle 31, S. 33 (26)
3.Bild von links: Schönberger Realschüler, Obersekunda, Sommer 1887, in der oberen Reihe Mitte der 17jährige Ernst Barlach aus Quelle 31, Seite 25 (26) (fehlt noch)
4. Bild von links: Realschule in Schönberg, links vorn, Postkarte um 1900, aus Quelle 31, S. 32 (26)

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Bild links: Info –Tafel: Zur Geschichte der heutigen Grundschule am Oberteich in Schönberg, 25
Bild mitte: Frontansicht der heutigen Grundschule und ehemaligen Großherzoglichen Realschule, auch Realgymnasium genannt, 25
Bild rechts: Eckfront des Schulgebäudes, 25

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“Ich werde geschoben“ 

Es gingen Zuckungen in mir vor, dass alles sich fieberhaft und wütend umwälzte. 

“Ob sie wirklich aus der beglückenden, oft aber quälend ratlosen Wachheit kamen, wie ich nicht anders denken konnte, oder ob es Zustände einer noch ungelösten Schlafgebundenheit, ein Gähnen und Recken vor der Entpuppung waren – es geschah mit mir zu meiner Not und zu meiner Lust – ein gewiß nicht scheinfrommer Jüngling und dabei immer zu Narrenspäßen aufgelegt, wohlbehäglich mit der ererbten väterlichen Pfeife und lieben Büchern in die Häuslichkeit eingeschmiegt, ein ebenso guter wie schlechter Sohn und Bruder, ein rastloser Besinger von uns gegenüber boten sich Bruchstücke von Grabsteinen zu allerlei Familienepisoden in gutgemeinten Reimen und immer wieder vom scheuchenden Pochen eines Fingers aus irgendwelcher dunklen Verborgenheit gestört, Grenzenlosigkeit fühlen in der engen, ach wie engen Wirklichkeit.“

Ernst Barlach bemühte sich um Parteilichkeit in der Haltung zu seinem Vater 

“Übrigens stelzte ich mit sehr steilem Rückgrat und steifem Nacken durch die Schönberger Straßen und machte mir eine Pflicht daraus, jener Partei des Städtchens, die gegen meinen Vater auf Seiten der zwei Herren Dr. Marung, Vater und Sohn, gestanden, wie diesen beiden selbst eine deutlich redende Kehrseite zu zeigen.“ “ Auch den Bürgermeister, den schon mein Vater für parteiliches Verhalten mit einem lebend gebliebenen Wörtlein gestraft hatte, meinte ich, in der albernen Hochgeschätztheit allerseits beunruhigen zu müssen, holte weit aus zu einer geballten und doch scheinbar unbeholfenen, volkstümlichen Abfertigung in Knüppelversen, fand mich aber erst im Aufflug, als die Kraft des Vorsatzes schon erlahmt war.“ 

Friedrich Düsel trat auf den Plan, die Freundschaft mit Ernst Barlach war nicht auf Sand gebaut

“Dann trat Friedrich Düsel, als Primaner zu Besuch bei Verwandten, auf den Plan, einem jungen Goethe gleich, uns alle mühelos überstrahlend, siegend durch raschen und regen Geist, und  - wie viele meinten – allzu gewagte Betonung seiner Persönlichkeit – frühreif und sicher im Umgang mit den respektiertesten Gewalten über uns -, so trat er daher, ein Anstoß für alle mündigen und unmündigen Angehörigen der Klasse, denen ein ‚Meenert’, d.h. einer, der sich für etwas Besseres hält und danach aussieht oder sich so gebärdet, ein gräsiges Exempel von Wichtigmacherei bedeutet. Düsels mit Mund-Nasenfalte schon bedeutungsvoll gezeichneter Kopf drehte sich auf zierlichem Bau, auch stieß er bei jedem seiner wohlgesetzten Schritte einmal mit dem flotten Hute leicht an den Himmel – und mich zog er mit sicherem Griff an seine grüne Seite.

Ich horchte auf und merkte flink, dass mir selbst alle Form fehle. Wir entfesselten einen stürmischen Briefwechsel, duzten uns überschwänglich und weihten uns gegenseitig in die aufregenden Zustände unseres Wesens, Lebens und Strebens ein – und, seltsam zu sagen, die frischweg am ersten besten Platz gegründete Freundschaft war nicht auf Sand gebaut und kam auch durch die Zeit nicht zu Fall. Wir schifften mündlich  und brieflich zu Werke gehend flott auf die Höhen der Literatur, schaukelten lustig auf und ab, hegten uns willig in gutmütiger Gegenseitigkeit, und ich durfte mich, alles in allem, beglückwünschen zu einer kritischen Vormundschaft, die mir das Genügen an meinem bisherigen Daherklappern mit Wort und Reim dergestalt eintränkte, dass ich anfing, meine beste Lust  als Spiel zu beargwöhnen und überrascht mit der Nase an die unterste Sprosse einer Leiter stieß, die das bequeme Schlendern auf platter Erde nicht weiter zuließ. Freilich blieb ich einstweilen da unten hocken, aber der mir eingegebene unermesslich gute Wille, die schicksalhaft mir gehörige Zähigkeit, eine Art Fluch zum Wollen, dem ich untertan bin, im Verein mit der Länge der Jahre, nötigten mich unerbittlich auf zur zweiten, andern und weiteren Sprosse.“

Ernst Barlach geriet ins achtzehnte Jahr, mit dem Abschluss der Schulzeit gab es den  Zufall eines Fingerzeigs für den Besuch der Hamburger Allgemeinen Gewerbeschule

“Und so geriet ich unversehens ins achtzehnte Jahr, sollte die Schule absolvieren und dem Vormund auf die Frage nach der Berufswahl eine billige Antwort geben. Das Examen berechtigte zur Fortsetzung des Klassendaseins in der Unterprima einer höheren Anstalt, und die meisten meiner Vorgänger wurden, wenn sie direkt zum Beruf übergingen, Tierärzte, Postleute oder subaltern auf anderen Beamtenbahnen. So lief meine Unentschlossenheit, einem ratlosen Mäuslein gleich, auf Treppen und Gängen gleich trostloser Möglichkeiten auf und nieder, ohne dass mir nur von ferne der Gedanke an Künstlertum gekommen wäre, als sich ein hilfreicher Zufall an mich machte, mir auf die Schultern klopfte und einen bündigen Fingerweis gönnte, dessen Richtigkeit allerseits anerkannt wurde. Der Sohn des Kantors Hempel hatte sein Zeichentalent an der Hamburger Gewerbeschule mit Erfolg gepflegt, hier war eine ‚gewerbliche’ Bahn aufgetan, die das Glücken eines bescheidenen Vorsatzes wahrscheinlich machte. Der Herr Zeichenlehrer riet zu, der Vormund fand kein unstatthaftes Zuhochhinaus zu bemängeln, ich folgte fast mehr dem Willen der andern als dem eigenen, die kindliche Welt wurde hinter mir abgeriegelt.“

Informationen über die Stadt Schönberg in Mecklenburg

Der Bürgermeister dieses Stadt residiert in seinem Rathaus, Am Markt 15. Er verwaltet einzelne Ortsteile, wie Groß Bünsdorf, Klein Bünsdorf, Kleinfeld, Malzow, Retelsdorf, Rupensdorf und Sabow mit ca. 4590 Einwohnern. Die Stadt Schönberg entwickelte sich aus einem Bauerndorf mit einer geringen Anzahl von Höfen. Dass Schönberg Stadt wurde, verdankte sie der Tatsache, dass die Bischöfe von Ratzeburg ihren Sitz nach Schönberg verlegten. Dadurch gingen wiederum im wirtschaftlichen und im politischen Bereich größere Entwicklungen vonstatten. Rückschläge gab es allerdings auch. Nach der Reichsgründung 1871 musste Schönberg die Dominanz der Stadt Lübeck tolerieren, ebenso wie der II. Weltkrieg zwar keine Zerstörungen in  Schönberg verursachte, aber der wirtschaftliche Aufschwung gebremst wurde. 1934 wurden die Städte Schönberg und Grevesmühlen verwaltungsmäßig zusammen gelegt. 1949 verlor Schönberg den Status einer Kreisstadt an Grevesmühlen. Zu DDR-Zeiten stand Schönberg entwicklungsmäßig im Abseits. Einflussreiche Städte, wie Lübeck und Ratzeburg gehörten zu Schleswig-Holstein, Schönberg dagegen zu Mecklenburg, ein unüberwindlicher Grenzzaun verhinderte über Jahrzehnte eine kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung dieser Kleinstadt. Die politische Wende in der DDR 1989 schuf Voraussetzungen für die relativ schnelle Entwicklung der Stadt Schönberg quasi auf allen Gebieten.     

Wer wie ich, der Autor, 2009 diese Kleinstadt besuchte, war beeindruckt von dem Flair der Altstadt, am Süd-West-Bereich des Oberteiches gelegen. Bauliche Konzentrationen ergaben sich hier häufig an Einmündungen bzw. Gabelungen von Straßen, das waren gleichzeitig die Orientierungspunkte für Barlach-Stationen (um die Kirche herum die Wohnung von 1872 –1876, um die Tischlerei und die Steinmetz - Werkstatt herum die Wohnung von 1784 – 1888, ebenso die zentrale Position der Realschule am Amtsplatz. Als Angebot an den Tourismus hat Schönberg eine Reihe von Vorzügen, die auf eine größere Erschließung zu warten scheinen. So hat die Barlach-Stadt  für die Vorbeireisenden, für die Besucher sehr viel getan für das Entdecken dieses bedeutenden Bildhauers Ernst Barlach, der immerhin zweimal fünf Jahre in der Phase seiner Entwicklung vom Kind zum jungen Mann, zum Schüler und Abiturienten in dieser Stadt gelebt hat. Die Altstadt mit den schönen Bürgerhäusern und deren unmittelbare Nähe zum Wasser, zum Oberteich, kennzeichnen diese Kleinstadt zu einer landschaftlichen Perle.   

Foto – Variationen zu Schönberg in Mecklenburg 

Von der Amtsstraße geht man entlang Am kalten Damm, über den Markt, zur höchsten Erhebung hinauf, wo die mächtige Stadtkirche St.-Laurentius steht, fortsetzend den Weg An der Kirche, mündend in die August-Bebel-Straße, der die Ratzeburger Straße folgt, einem Mäanderband des Straßenverlaufs gleich vom Wasserverlauf geprägt, gibt es wunderschöne Häuser mit unterschiedlichen Baustilen. 

Gebäude-Ensemble um den Markt von Schönberg:

1. Bild von links: Blick von unterhalb der Stadtkirche auf die Teich-seitige Häuserzeile Am Markt, 25
2. Bild von links: Blick auf die Giebel-verzierten Häuserfassaden an der Teichseite, 25
3. Bild von links: ein wenig verwunschen zeigt sich das hinter Wachholdern versteckte einstöckige Haus mit seinen schlitzäugigen Dachfenstern, 25
4. Bild von links: Die Häuser am Markt sind repräsentative Bauten im Zentrum der Altstadt, 25

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Die Stadtkirche St.-Laurentius

Im Zusammenhang mit dem Wohnsitz-Wechsel des Bischofs von Ratzeburg nach Schönberg wurde die mächtige Stadtkirche St.-Laurentius Anfang des 14. Jahrhunderts gebaut. Ursprünglich war sie noch größer geplant gewesen, diese Planung wurde allerdings nie umgesetzt. Ein Zeugnis aus dem Mittelalter ist erhalten geblieben: die Tauffünte (aus Bronze). Damit ist auch der Text, hier in deutscher Übersetzung überliefert:

"Im Jahre 1357 ist diese Fünte gegossen worden zur Ehre des Heiligen Laurentius und der Heiligen Katharina in der Schönberger Kirche im ersten Jahre der Hirtenschaft des Herrn Wipert, des Bischofs von Ratzeburg, und unter dem Herrn Petrus, als Rektor für dieselbe Kirche sorgend. Sowie dem Herrn Johannes, dem damaligen Kapellan, und zwar durch die Hände Gerhards, genannt Cranemann, deren Seelen in Frieden ruhen mögen. Amen."

Bischof Wipert von Ratzeburg erhielt 1375 als Dank und Anerkennung von Kaiser Karl IV., als dieser auf einer Reise in den Norden seines Reiches war, den Ehrentitel "Fürstbischof". In Erinnerung ist seit dieser Zeit der Name für das Land "Fürstentum Ratzeburg".

Ein Kirchgebäude dieses Alters unterliegt natürlich einer Reihe von Renovierungen zur Erhaltung der Kirche. Die letzte Renovierung wurde 1991 abgeschlossen.

1. Bild von links: Der Turm der Stadtkirche imponiert in seiner Größe und Mächtigkeit, aus 26 (www.schönberger - musiksommer.de/Kirche.html)
2. Bild von links: Der Stadtplan von Schönberg mit der St.-Laurentius-Kirche, 26, aus der Quelle 32, S. 15
3. Bild von links: Kriegerdenkmal "Unseren im Weltkriege 1914 - 1918 gebliebenen Helden zum Gedächtnis" vor einem Kirchenfenster von St.-Laurentius, 25
4. Bild von links: Kriegerdenkmal (Detail), 25
5. Bild von links: Kassettendecke in St. - Laurentius, 25

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Ein besonderes Schmuckstück der Kirche in ihrer Bauweise und in ihrem Klang ist die 1847 aufgestellte Orgel, nach ihrem Erbauer F. W. Winzer aus Wismar benannt. Diese Winzer-Orgel ist fast vollständig erhalten geblieben, so dass sie ständig in die musikalischen Ereignisse und Höhepunkte der Stadt, wie zum Schönberger Musiksommer, einbezogen wird.

Bild: Prospekt der Winzer - Orgel, 25

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Siegessäule

Südlich der Stadtkirche St. - Laurentius mündet die kurze Wasserstraße in die August-Bebel-Straße, damit einen kleinen Platz bildend. Hier steht die Siegessäule zur Erinnerung und zu Ehren des Sieges der Deutschen über die Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg von Juli 1870 - Mai 1871. Am 18. Januar wurde Wilhelm I. im Schloss Versailles zum  Kaiser proklamiert. Aus Norddeutschem Bund entstand der Deutasche Bund, daraus bildete sich das Deutsche Reich. 

Bilder: Blicke auf die Siegessäule, 25

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Schönberger Musiksommer

Der Schönberger Musiksommer 2009 fand zum 23. Mal statt. Vom 30. Mai (Sonnabend) mit dem Eröffnungskonzert (Johann Sebastian Bach: "Messe h-Moll") bis zum 19. September (Sonnabend) mit dem Abschlusskonzert (Johann Sebastian Bach: "Musikalisches Opfer" und die Motette "Jesu, meine Freude") waren es 24 ereignisreiche Veranstaltungen, immer dienstags, mit regionalem, nationalem und auch internationalem Charakter, einer Tradition von 23 Jahren musikorientierter Begegnung der Menschen mit Kunst und Musik in der St.-Laurentius-Kirche verpflichtet. Schwerpunkte bei der Gestaltung des Schönberger Musiksommers 2009 betrafen die Musik (Johann Sebastian Bach), die Kunst (Malerei: Thomas Koch, Palingen; Fotografie: Barbara Wolff) sowie die Beziehung von Kindern zur Musik, thematisiet als Kinderkonzert in Partnerschaft mit SOS - Kinderdörfern bzw. eine Konzertrevue für Kinder.

Es erhebt sicht hier die Frage: Was hat der Schönberger Musiksommer mit Ernst Barlach gemein?

Man sollte denken, eine ganze Menge: Schönberg - die Stadt der Kindheit und Jugend Barlachs zeigt Barlachs Spuren in mehrfacher Hinsicht gegenüber den Touristen des Musiksommers durch zufällige Berührungspunkte von Informationstafeln an Hauswänden, durch die Verwendung des Namens Barlach  bei einer Schule, bei einer Straße, bei der Verwendung des Themas Musik im bildhauerischen Schaffen Barlachs.

Bild: Auftritt eines Musik - Ensembles im Kirchenraum von St.-Laurentius aus 26, (Programmheft 23. Schönberger Musiksommer 2009, Titelblatt)

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Volkskundemuseum

Unterhalb der St.-Laurentius-Kirche an ihrer Südseite liegt das Volkskundemuseum der Stadt Schönberg. Bis 1929 diente dieses Gebäude als Mädchenschule. Das Volkskundemuseum beinhaltet bedeutende volkskundliche Sammlungen, so die Kultur des Mobiliars und der Trachten. Es gab  sogar eine "Schönberger Tracht" der Bäuerinnen mit Rock und Mieder aus Wolle, besetzt mit Seidenbändern. Es gab auch reich verzierte Brusttücher sowie kleidsame Hauben aus Brokat oder Samt. Der Schönberger Lehrer und Volkskundler Fritz Buddin (1867 - 1946) hatte sich bei der Entwicklung dieses Museums sehr verdient gemacht, 1931 hatte er das heutige Volkskundemuseum als Heimatmuseum gegründet. Fritz Buddin ist es zu verdanken, dass sich Anmerkungen zu Ernst Barlach im Museum befinden, z. B. gibt es einen Brief von Ernst Barlach an Fritz Buddin von 1930 (vgl.: 31, S. 27f.). 

Bild links: So zeigt sich das heutige Volkskundemuseum von Schönberg, 25
Bild mitte: Über dem Eingang ist noch der ehemalige Name "Heimatmuseum" zu lesen, 25
Bild rechts: Heutige Adresse: "Volkskundemuseum des Ratzeburger Landes, 25

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Bahnhof Schönberg und Neubaugebiet in Plattenbauweise

Für Schönberg i. Meckl. war der Bau der Eisenbahn als Großherzögliche Friedrich-Franz-Eisenbahn ab 1872 eine wichtige Reiseverbindung für Personen und Güter aus dem Umland nach Schönberg und umgekehrt. Lübeck und Ratzeburg waren damit relativ schnell zu erreichen, Ernst Barlach wird die Bahn vor allem während seines zweiten Aufenthaltes in Schönberg genutzt haben.

1. Bild von links: Schönberger Bahnhof, Postkarte um 1906, 26 aus 31, S. 43 (24a: fehlt noch)
2. Bild von links: Bahnhofsschild am Bahnsteig von Schönberg, 25
3.+4. Bild von links: Bahnhofsgebäude (Rückseite) im baulichen Zustand von Auigust 2009, 25
5. Bild von links: Straßenschild "Ernst-Barlach - Srtraße" als Wegweisung ins Plattenbau-Neubaugebiet, rechts der Dassauer Straße, nördlich der Eisenbahnlinie, 25

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