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Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Hamburg (1888-1891, 1898,
1900-1902, 1931, ab 1962)

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Ernst Barlachs Aufbruch in ein Leben als Bildender Künstler, dargestellt in seinem "selbsterzählten Leben", vorerst als Schüler der Allgemeinbildenden Gewerbeschule in Hamburg (1888-1891)

Ostern 1988: Ernst Barlach besuchte ab Ostern 1888 die Allgemeine Gewerbeschule in Hamburg. Das repräsentative Gebäude befand sich am Steintor.

In einem Brief an Friedrich Düsel schilderte Ernst Barlach seine Eindrücke über die Natur der Hamburger Umgebung:

"Mit wahrer Wollust nehme ich die bunten, malerischen Bilder des Hafens, des Stromes nach der Elbbrücke zu oder nach der Mündung hin in mich auf, und je milder die Luft, je goldner der Sonnenschein ist, desto mehr wachsen diese Wünsche, diese Sehnsucht in die Ferne, und mich überläuft es oft heiß und kalt zugleich" (Brief an Friedrich Düsel, 26.03.1890) ...

Foto-Variationen der Allgemeinen Gewerbeschule am ehemaligen Platz vor dem Altonaer Rathaus und der Allgemeinen Gewerbeschule (25, Ursula Höbbel, Hamburg):

1. Bild von links: Gebäudeteil oberhalb des Erkers
2. Bild von links: Blick auf den Erker von links
3. Bild von links: Blick auf den Erker von rechts
4. Bild von links: Blick auf das Erdgeschoss des Erkers
5. Bild von links: Seitenansicht des Gebäudes

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Ernst Barlachs Lehrer an der Allgemeinen Gewerbeschule waren Herr Woldemar als erster Zeichenlehrer und vor allem Herr Theodor Richard Thiele als Lehrer für freies Modellieren in Ton und Wachs.

Ernst Barlach äußerte sich im Gespräch mit Friedrich Schult im Nachhinein (1916) zu seiner Ausbildungsstätte, der Gewerbeschule:

"... Ich (sah) mich auf der Gewerbeschule um. Ich wusste selber nicht, wohin es ging, und trug mich als Zeichenlehrer ein. ... Um eben diese Zeit hatte der Bildhauer Thiele nur wenige Schüler und redete mir daher zu, den Schritt in seine Klasse zu tun. Mitbestimmend war vielleicht der wunderliche Umstand, dass meine Mutter bei einer besonderen Gelegenheit mit seltener überzeugung gegen mich geäußert hatte: 'Du hast keinen Farbensinn!' So wurde ich Bildhauer" (Friedrich Schult, Barlach im Gespräch, Güstrow 1940).

Das Jahr 1888 wurde für Ernst Barlach ein Jahr des Unheils: Mit Hans Hudemann und Vetter Richard wohnten die drei in Altona, in zwei möblierten Zimmern. Der studentische Alltag spielte sich ab, wie zu allen Zeiten allgemein üblich. Man kehrte häufig in die Lokale am Elbufer ein. Barlach nutzte wie in seiner Jugendzeit Möglichkeiten, durch die Hamburger Flusslandschaft zu streifen und auf Straßen von Altona, Sankt Pauli oder am Hafen spazieren zu gehen. Hiermit schuf sich Ernst Barlach eine sinnvolle Abwechslung zur "wesenlosen Geschäftigkeit" des Studiums an der Gewerbeschule. Belastend war in erster Linie der kritische Zustand seiner körperlichen Verfassung. Ihn plagten Herz-Rhythmus-Störungen, mit beeinflusst durch einseitige Ernährungsweise und unregelmäßige Tagesgestaltung. Von Juni bis August 1888 weilte Ernst Barlach bei seiner Mutter in Lübeck, um sich von seinen Krankheiten zu erholen. Eine sich anschließende Kur an der Nordsee war hilfreich, über sich, auch über sein Studium nachzudenken.

In seinem "selbsterzählten Leben" reflektierte Ernst Barlach die Begegnung mit seinen Lehrern Woldemar und Thiele, den Studienalltag mit Kollegen, sein Kranksein und die Gesundung unter dem Motto  "Ich beiße an":

Hatte ich eigentlich Talent? Barlachs erster Zeichenlehrer, Herr Woldemar, meinte, er würde niemals was Rechtes zustandebringen.

"Mein erster Zeichenlehrer in Hamburg war ein regelrechter Original-Germane, Herr Woldemar, der Däne, Schüler Thorwaldens, wie es hieß, ein zelotischer Herr, den sein Zorn in heftig hinschießender Fahrt erhielt, ein gewohnheitsmäßiger Zorn. Selbst wenn das Zetern einmal aussetzte, schien das abgeschnürte Pfauchen sich im Unterkiefer zu verkrampfen und der dranhängende Beberbart kochte dazu. Immer war Woldemar bereit, sich in Berserkerei zu stürzen, immer bereit, zu erschlagen und zu steinigen. Ein Machtbold, der in Furcht und Zittern des Gesindes die Bestätigung seines Wertes sah. Er riet mir beim ersten Blick auf mein Zeichenbrett in der ersten Stunde, nur gleich meine Mühe einzustellen, ich würde niemals was Rechtes zustandebringen - schnaufte noch was Höhnisches aus den Naslöchern dazu und kehrte sich ab.
 
Aber ich folgte nicht, sondern erzwang in einem langen Kampfe seinen endlichen, herzlich widerwilligen Beifall. Nein, es war wohl kein Talent, was da in mir stak. Ein aussichtsarmer Gehorsam rieb sich auf in blindem Tun, und ich konnte nicht folgen, nicht, weil ich mir gesagt hätte, dass man Herrn Woldemar als einem geringen Gott keinen Gehorsam schuldig sei, sondern weil solches Folgen, verbissen, wie ich mich hatte, schon sehr bald nicht mehr zur Wahl stand.
 
Ich war in eine Zeit geraten, die für mich kein förderndes Beispiel übrig hatte, es war wohl wirklich Erbieten und Erwarten zwischen uns unnötig; ohne es zu ahnen, stand ich nackt und bloß in einer ungeheuren Einöde und konnte selbst zusehen, wie ich's treiben würde, stand und hatte kein Arg oder Scheu, versah mich keiner Probleme und zog, schneckengleich wohnend im kleinen Kämmerchen des willenlosen Gehorsams, unbewusst des Weges zum unbekannten Ziel." (2, S. 31 f.).

Ernst Barlach meinte, man müsse sich für ein Einziges und Wichtigstes bestimmen. Sein Lehrmeister, Bildhauer Thiele, pflanzte auch Barlach guten Glauben an bildhauerische Berufung ein.

"In diesen Monaten gerann in meinem Bewusstsein so etwas wie die Vorstellung, dass man sich für ein Einziges und Wichtigstes bestimmen müsse. Vor meiner Erkrankung hatte ich bei dem Dresdener Bildhauer Thiele, der seit kurzem an der Schule lehrte, einige Abende in der Woche belegt. Thiele, der keine Tagessschüler hatte, suchte sich, wo immer er konnte, den Lernkörper seiner Klasse, dessen er zu endgültiger Anstellung bedurfte, zusammen und machte zwischen vorhandenem und mangelndem Talent keinen peinlichen Unterschied. Wie andern pflanzte er auch mir guten Glauben an bildhauerische Berufung ein, und mit dieser Einsicht machte ich meinen Onkel bekannt, der sich meinem Wunsche fügte. Als ich im Herbst von neuem die Schule bezog, war ich angehender Bildhauer, ohne dass ich darum der Woldemarschen Zeichenzucht entwichen wäre." (2, S. 35 f.).

Wie in Ratzeburg so empfingen mich in Hamburg Hans Hudemann und Vetter Richard, beflissen, mir die Fertigkeit in allen Lebenskünsten beizubringen, die sie inzwischen mit Hilfe von Eifer und guter Veranlagung gewonnen hatten.

"Die frühere Parole vom Leben im wilden Wald war zur Unkenntlichkeit verändert, sie beide hatten alle Wege zur gehörigen festlichen Gestaltung ihres Daseins gut markiert vorgefunden und hatten sie ohne Wank und Schwank betreten und betrampelt.
 
Richard hielt schon lange standhaft dicht vor dem Abitur und harrte in dieser Stellung weiter aus, ohne jemals anders als vergeblich anzuklopfen. Hudemann hatte es schneller sattbekommen, jetzt lernte er bei Cesar Wehrhahn Export. Selten sind herrliche Gaben so verludert wie in ihm, so voll Sonderlingsgeist war er, dass des Drangs scheinbar nur mit dem wüstesten Schleifen und Schlampen durch die für einen Wechsel von 100 Mark käuflichen Ablenkungen Herr zu werden war.
 
Ich als dritter war kein Spielverderber, sie melkten meinen mageren Wechsel mit dem Erfolg, dass ich eine besondere Art Lebenskunst zu meistern lernte, durch die sich das Leben gegenüber dem natürlichen durch Essen und Trinken zu einem Kunststück ohne dergleichen Regelmäßigkeiten erhöhte.
 
Eines Sonntagabends am Ersten des Monats brachen wir gutgetränkt aus der 'Elbschlucht' auf. Hudemann mit seinen annähernd vollen hundert Mark in der Tasche zum Sturm gewillt auf das dunstige Hamburg, das da wie ein wehrloses Opfer vor ihm lag. Wir wohnten damals zusammen in zwei Zimmern und mir bangte - mein ehrliches Interesse an seinen Goldstücken war nicht grundlos. Hudemann durchtanzte, die Zeigefinger wie Bockshörnchen vor der Stirn, die Reihen der Altonaer Bürgertöchter. Ich witterte Unheil und wurde hart, stellte ihn und pochte auf meine treue Bereitwilligkeit zum Aushelfen und erweichte ihn zum ausgleichenden Auftun seines Säckels, entlockte ihm fast das ganze Geld, nahm ihm obendrein behutsam die Uhr ab und ließ ihn dann einigermaßen getrost auf die Pferdebahn entspringen. Frühmorgens, heftig ernüchtert heimkehrend, fand er seine Bescherung auf der Kommode vor, nachdem er wegen des Verlustes von Uhr und Barschaft bereits auf der Polizei Lärm gemacht hatte." (2, S. 32 ff,).

Es war das Jahr des Unheils 1888, (ich) war lange krank, lernte von frischem gehen und ließ mich in ein Hospiz verschicken.

"Ich trieb mich, wo mir eine Freistunde verstattet war, in den windigen Straßen herum und sog in der wesenlosen Geschäftigkeit auf der Schule ohne Trost, Lust erfahrend nur bei Nacht, in Heimatsträumen mit Fieber und Schmerzen nicht ohne geheime Zufriedenheit unglücklich, eine Brustkrankheit aus dem kalten Frühjahr, lag bei meiner Mutter, die mit den Brüdern nach Lübeck gezogen war, lange krank, lernte von frischem gehen und ließ mich in ein Hospiz oder Internat für junge Leute an die Nordsee verschicken.
 
War ich lendenlahm eingeliefert, stach mich doch bald der Hafer, und ich fühlte mich hier als das übermütigste Füllen von allen. Salomo Friedländer war mein philosophischer Tischnachbar linker Hand, auch ihm war es nicht erspart, freilich in knappem Schwung, mit gezügelter Vehemenz, im Vers das Aufblühen der eigenen Seele zu feiern, und so kam er zuweilen in sakraler Gebundenheit der Schritte auf mein Zimmer und las vom Blatt, was ihm gewiß vom Herzen geströmt war. Das konnte ich nicht unerwidert lassen und las meinerseits vom Blatt, das sich mit andern zu einem Busch von Blättern bauschte, was auch mir, aber massenhaft, vom Herzen geströmt war ...
 
Mein Tischnachbar rechts war ein schwerkranker Bengel von erstaunlicher Superklugheit, ein unbeliebter Fresser und zugleich mein Zimmergenosse, der mit den Dünsten seines Gebrechens die Luft säuerte, und dabei zu meiner Qual ein Widersacher offenstehender Fensterflügel. Ich fühlte mich unschuldig an der Tatsache, dass er vor meinen Augen als fertige Karikatur hinging, und so begann ich eine tagtäglich zeichnerische Preisgabe seiner Schwächen als starker Esser, als wandelnde Selbstzufriedenheit, als unpassende Erscheinung überall, im Haus, am Strand und auf der Düne. Die Karikierung eines Geschlagenen lässt sich mit jugendlicher Roheit schlecht beschönigen, vielleicht entschuldigt man aber einen versucherischen Streich, der mich und den Chor der Teilnehmer ganz gut als Beschämten hätte erweisen können." (2, S. 34 f.).

Unter den Schicksalsgenossen, wie dem jungen Mutz, fand sich Garbers, der vom Graveur 'zur Bildhauerei' übergegangen war, gereift und erfahrener als wir andern.

"Er hatte sich in der Fremde umgetan und aus einem vielfach geschichteten Leben durch eigenes Erproben Wissen und Begriffe gebildet. Der feinere Cornils stand auf langen, nicht sehr festen Beinen - und desgleichen war die Beschaffenheit seines geistigen Habitus. Nobel proportioniert, doch mit Schüchternheit durchwachsen, letzter Nazarener und allerletzter, antiquierter Romantiker, leicht verrannt und doch kein Draufgänger. Da war der junge Mutz, in der knochentrockenen Töpferwerkstatt seines Vaters schmal und blaß geworden, der ahnungslose und ungestempelte 'Westphal mit de Venusbeen', der bravouröse Fixmacher und Hinschmeißer von Modellierarbeit 'Fwanz' Ziegler und ein Vetter 'Fwanz', dessen stärkste Eigentümlichkeit in der absoluten Belanglosigkeit bestand - da waren zwei auswärtige Holzbildhauergesellen, und da war Rammé, der sich zum Nachfolger in der väterlichen Pappmacheefabrik ausbildete. Ich - wie Garbers proklamierte - qualifizierte mich durchaus als kulturlos, ich röche 'nach Bauer', entschied er ..." (2, S. 36 f.).

Ostern 1989: Ernst Barlach wurde gänzlich in das Atelier von Richard Thiele aufgenommen, allerdings vorerst mit Tätigkeiten betraut, die dem Charakter eines Lehrjungen gleich kamen: Gipssäcke tragen, Gips anrühren usw.

Und dennoch lernte Barlach bei Thiele Nützliches für sein Handwerk als Bildhauer. Gegenüber Friedrich Düsel äußerte er sich:

"Als Bildhauer muss mir natürlich von den drei Arten, auf welche man das Leben und Treiben der Menschen abkonterfeit, der Plastik, dem Malen und Zeichnen und der Erzählung, die erste natürlich am geläufigsten und am liebsten sein. Ich muss scharf beobachten, fortwährend von vorne und hinten, von rechts und links mein Werk im Auge behalten, und mit der Hand und dem Holze hinstellen können, was zugleich das Auge beurteilt und gemessen hat. Ich gebe wieder, nicht was ich für mein Teil sehe oder wie ich es von hier oder da sehe, sondern das, was ist: Das Wirkliche und Wahrhaftige, das ich erst aus dem, was ich vor mir sehe, heraussuchen muss."

Anfang 1890: Ernst Barlach schrieb wieder an Friedrich Düsel: "Dieses eine Jahr halte ich's noch aus, dann bin ich mein eigener Herr." "Ob ich dann den Weg durch die Akademie einschlage oder als Schüler eines Meisters mein Ziel zu erreichen suche, darüber bin ich noch nicht mit mir einig; wenn ich einen Künstler finden könnte, mit dem ich zusammenstimmte, dann natürlich das letztere."

Im "selbsterzählten Leben" reflektierte Ernst Barlach über sein künstlerisches Streben an der Allgemeinen Gewerbeschule in Hamburg:

Ernst Barlach versuchte sich im Aktzeichnen

"Wir kopierten nach Gips. Dazu, weil uns der Dyffkesche Aktsaal nicht offenstand, organisierten wir den 'Aktverein', wo wir zweimal wöchentlich in einem Eilbecker Vorstadtsaal Akte zeichneten, hinterher Bier tranken und so etwas wie ein Künstlerleben in unsicherer Nachahmung unklarer Vorbilder ins Werk setzten. Indes blieb die Arbeit Hauptsache - Aktzeichnen, ich muss bekennen, dass ich nie einen einzigen leidlichen Akt zustandegebracht habe, es ergaben sich aus meinem heißen Streben nichts als ausgezogene Männekens und entfederte Gänsleins" (2, S. 37).

Ernst Barlach biss an und suchte sein Heil im grenzenlosen Tun auf künstlerischem Gebiet, dem Komponieren als Streben nach selbständiger Darstellung

"Auch durfte, wer wollte, nach Belieben komponieren. Wenigstens ließ sich Herr Thiele die Vorlage von Blättern eigener Erfindung gern gefallen, ja er hielt sogar das Streben nach selbständiger Darstellung nicht nur nicht für schädlich, sondern für entschieden wünschenswert. Ich, kaum dessen inne, biss an und suchte mein Heil in wütendem Beweisen grenzenlosen Wollens. Ich lernte ein halbes Hundert Cornelius'scher Faltensysteme auswendig und warf bald mit approbierten Gewandfiguren nur so um mich. Thiele lobte, und ich kostümierte hemmungslos gangbare Begebenheiten und kunstgeschichtlich herkömmliche Szenen nach einem geläufigen Schema." (2, S. 37).

Ernst Barlach erprobte sich als Zeichner von Menschen auf der Straße

"So begann ich das Gold meiner Zufriedenheit in der zeitlichen Wirklichkeit auf der Straße zu suchen. Da liefen Menschen zu Tausenden hin und her - und ich griff, in den überfluss der Erscheinung gestürzt, hastig und unermüdlich bis zur Abstumpfung in die rechte Tasche zum Bleistift und mit gleichem Takt in die linke zum Büchlein, und dann gab es ein paar Linien und allermeist ein trauriges Ganzes oder ein schäbiges Flickwerk. - Es musste, es musste, es musste sein, aber welches Ende winkte diesem Beginn? Das Ding, das ich mit trauervoller Gezwungenheit gewissermaßen als Sträfling trieb, war der Trauer und der Verbissenheit offenbar nicht wert, und doch kam kein Zweifel in mich, und nichts desgleichen Wichtiges gab es zu tun. Ich staunte über die Seltsamkeit der Tatsache Mensch und erbrach mich gleichzeitig über den Unsinn eines solchen Seins. Ich schämte mich dieser hündischen Zeitgestalt, als wäre es mein Werk, und selbst in der Gestilltheit, die mich tröstete, wenn ich mir vor meinen Blättern wachsendes Können gestehen durfte, spürte ich den panischen Schrecken vor einem so beschaffenen Dasein. Ich hatte Zeiten, wo die Versicherung des einstmaligen Gestorbenseins in überströmende Dankbarkeit wie für eine Gnade ausmündete. In voller Lauterkeit wandelte ich auf dem Pfad eines kreuzbraven Pietismus. Da war, wenn man die Panik abließ, Problemlosigkeit, und da war eine nahrhafte tägliche Saugflasche voll Gläubigkeit, die einstmals, wenn die Zeit erfüllt war, im Gefühl der grundlosen, todsicheren, elbstverständlichen überzeugtheit vom Sinn des Seins als freudiger Gewissheit eines über menschliche Ermessbarkeit Guten ausgehen musste." (2, S. 38 f.).

Barlachs Fazit zur Lehre in Hamburg

"Die Schar derer, die nun in Ton und Gips allerlei Figürliches schulgerecht vollbracht hatten, war im Laufe der drei Jahre zerbröckelt und von Thiele dirigiert in der Windrichtung des Hähnelschen Ateliers verflogen. Ich als letzter wurde nachgezogen, ohne dassich eines bestimmten Zieles inne gewesen wäre" (2, S. 40).

2. Januar 1891: Ernst Barlach konnte an seinem 21. Geburtstag die Fesseln der Vormundschaft abschütteln. Der Augenblick war gekommen, dass sich Ernst Barlach für seine künstlerischen Vorhaben frei fühlen konnte und sein Leben nach eigenen Vorstellungen einrichten konnte.

März 1891: Ernst Barlach trat die Reise von Hamburg nach Dresden an, um ab Ostern 1891 sein Studium in der Unterklasse an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden aufzunehmen.

Die Hamburger Kammerspiele

In Hamburg wurden die zwei Dramen "Der arme Vetter" (am 20. März 1919) und "Die echten Sedemunds" (am 23. März 1921) von Ernst Barlach uraufgeführt.

Die Uraufführungen fanden jeweils an den Hamburger Kammerspielen statt.

Adresse: Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9-11, 20145 Hamburg, Tel.: 040 / 4133440

Bild: Foto zur Adresse der Hamburger Kammerspiele in der Hartungstraße des Stadtteils Rotherbaum (Stadtplan Hamburg Tourismus GmbH)

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Anmerkung: Hinweise zur Geschichte der Hamburger Kammerspiele können unter:

"Barlachs Dramen", "Der arme Vetter", "Zum Einblick in die Geschichte des Theaters" nachgelesen werden.

Foto-Variationen von den Hamburger Kammerspielen:

Bild: Eingangsbereich des Theaters

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Bilder: Hinweisschilder aufs Theater

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Bild links: Reklame-Wand an einem benachbarten Gebäude
Bild mitte: Porträt der Schauspielerin Daniela Ziegler
Bild rechts: Porträt des Schauspielers Helmuth Lohner

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Das Hamburger Ehrenmal, 1931

Entwicklungsgeschichte des Hamburger Ehrenmals (vgl.: Wolfgang Tarnowski, Das Hamburger Ehrenmal, 1, S. 150 ff.)

40.000 Bürger der Stadt Hamburg waren im I. Weltkrieg 1914 - 1918 gefallen. Ihnen sollte ehrenvoll mit einem Denkmal auf immer gedacht werden. Seit 1919 gab es mehrere Bemühungen um die Errichtung dieses Ehrenmals für die im Krieg Gefallenen. Ende des Jahres 1929 wurde von Seiten des Hamburger Senats ein Wettbewerb für ein Ehrenmal ausgeschrieben. Der Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher hatte einen Standort vorgeschlagen: Unweit des Rathauses, an der Kleinen Alster, auf einem Platz vor der Maackschen Wassertreppe sollte dieses Denkmal errichtet werden.

Der Wettbewerb war an Hamburger Architekten und Bildhauer gerichtet worden, auch sechs auswärtige Künstler, darunter Ernst Barlach, waren aufgerufen, sich an diesem Auftrag zu beteiligen. Ernst Barlach machte sich sofort an die Arbeit. Aus seinen Skizzen hatte sich bald der Entwurf "Der Erschütterte" herausentwickelt:

Bild links: Wettbewerb um ein Hamburger Ehrenmal an der Kleinen Alster. Deutsche Bauzeitung 1930 (26, 1, S. 155)
Bild mitte: Entwurf zum Hamburger Mal 1930. Kohle (26, 1, S. 156)
Bild rechts: Der Erschütterte 1930. Gips (26, 1, S. 157)

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Das Preisrichterkollegium kam in April 1930 zum Ergebnis, dass keine der eingereichten Entwürfe preiswürdig seien, auch Ernst Barlachs Angebot "Der Erschütterte" war zwar in die engere Wahl genommen worden, letztlich aber als nicht geeignet bewertet worden. Allerdings war der Entwurf des Hamburger Architekten Klaus Hoffmann für eine 21 m hohe Stele von der Jury angenommen worden. Ernst Barlach interessierte sich für dieses Konzept einer Stele als Ehrenmal und fertigte eine Reihe von Entwürfen:

Bilder: Stelenentwürfe zum Hamburger Mal 1930, Kohle (26, 1, S. 158)

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Durch die verdienstvolle Unterstützung des Baudirektors Fritz Schumacher gelang es, den Hamburger Senat für einen weiteren Entwurf Ernst Barlachs, dieses Mal ein Relief-Motiv "Mutter mit Kind", zu interessieren. Ende September 1930 wurde die endgültige Fassung des Relief-Motivs nach Hamburg gesandt.

Am 3. Dezember 1930 erteilte der Senat offiziell an Ernst Barlach den Auftrag, das Relief auszuführen.

Bild links: Hamburger Ehrenmal (Vorentwurf), 1931 Gips, getönt (26, 6, S. 141)
Bild rechts: Barlach vor dem Werkmodell 1:2 des Hamburger Ehrenmals (26, 1, S. 158, rechts unten)

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Bereits in der Phase der Vorbereitung des Denkmal-Baus gingen Vertreter der Deutschen Volkspartei gegen Ernst Barlachs Konzept der Gestaltung eines Reliefs an der geplanten Stele vor:

"Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Arbeit (Barlachs) hohen künstlerischen Wert besitzt ... Inhaltlich gibt (sie) in eindrucksvoller Weise fraulicher Klage und gefasster Trauer  Ausdruck ...". "Barlachs Relief fehlt die Kraft des Stolzes und des Willens, über den Verlust  des Krieges hinwegzukommen. Es ist nicht männlich genug gedacht... Barlach hat die ihm gestellte Aufgabe noch nicht gelöst. Und deshalb ... sei dieses Relief fehl am Platze." (1, S. 151)

Trotz allem Unmuts gegenüber dem Barlach'schen Entwurf für die geplante Stele gelang es dem Hamburger Bürgermeister Petersen, sich für Barlachs Relief-Motiv "Mutter mit Kind" einzusetzen: "Es besteht überseinstimmung, dass der von Barlach vorgelegte Entwurf an sich ein gutes Kunstwerk ist. Die Mitglieder der beiden Ausschüsse sind sich aber nicht völlig einig darin, dass der Entwurf den idealen und besonderen Gefühlen aller entspricht. Es wird aber allseitig anerkannt, dass keine Richtung sich irgendwie durch das Kunstwerk verletzt fühlen könne" - ein genialer verbaler Trick der Information durch Bürgermeister Petersen. (1, S. 151)

Es folgten termin-gesetzte Aktivitäten zur Errichtung der Stele mit dem Barlachschen Relief "Mutter mit Kind" als Hamburger Ehrenmal:

  • Ende Dezember 1930: zwei Entwürfe im Maßstab 1:10,
  • 20. Januar 1931: erstes kleines Werkmodell für Hamburg zur Ansicht,
  • Mitte Februar 1931: Modell der gesamtem Stele mit eingefügtem Relief,
  • Bis Mitte Mai 1931: Fertigung des Werkmodells in seinen vier Teilen im Maßstab 1:2,
  • Der Hamburger Steinmetz Friedrich Bursch beginnt mit seinen Bildhauerarbeiten in einer extra eingerichteten "Atelier-Kapelle", die geöffnet werden konnte, damit der Eindruck des entstehenden Kunstwerks ständig kontrolliert, eventuell korrigiert werden konnte.
  • 23. Juli 1931: Der Bau der Stele mit dem Relief-Motiv war nahezu abgeschlossen.
  • Es folgten maßlose, heftige Angriffe gegen dieses für alle sichtbare Kunstwerk.
  • Selbst der Berliner Bildhauer Hugo Lederer war entrüstet und äußerte sich dahingehend, dass Barlachs Arbeit "eine Verhöhnung des Menschentums sei. Der Senat steht den kritischen Vorwürfen zu dem Ehrenmal hilflos gegenüber.
  • Dennoch wird durch Vertreter des Senats in der Nacht zum 2. August 1931 das Hamburger Ehrenmal durch den Abbau der Baugerüste als Präsenz in der öffentlichkeit in aller Stille eingeweiht.
  • Mit der Machtübernahme der Regierung Deutschlands durch die Nationalsozialisten war die Existenz des Hamburger Ehrenmals für die Zukunft in Frage gestellt. Mit der Eröffnung der Ausstellung "Entartete Kunst" in München 1937 war die Zerstörung des Barlachschen Teils am Kunstwerk Hamburger Ehrenmal nur noch eine Frage der Zeit.
  • Mit seinem Tod am 24. Oktober 1938 brauchte Ernst Barlach die Aktion der Nationalsozialisten zur Zerstörung des Reliefs "Mutter mit Kind" nicht mehr zu erleben.
  • Januar/Februar 1939: Zertrümmerung des Barlachschen Reliefs an der Stele des Hamburger Ehrenmals,
  • 1949 wurde das Barlach-Relief an der Stele des Hamburger Ehrenmals für alle Vorübergehenden wieder hergestellt.
  • Foto-Variationen vom Hamburger Ehrenmal:

    1. Bild von links: Die Stele mit dem Barlach-Relief am Abend (26, 7, S. 78)
    2.+3. Bild von links: Aufnahmen aus dem Jahre 2000, Stelenseite mit Barlach-Relief (25)
    4. Bild von links: Blick von der Stele Richtung Rathaus
    5. Bild von links: Bürger bei der Rast vor der Stele

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    1. Bild von links: Ausruhen an der Maackschen Wassertreppe vor der Stele
    2. Bild von links: Die Stelle mit einer Höhe von 21m
    3. Bild von links: Die Stelle, von Menschen umringt
    4. Bild von links: Schriftzüge zur Erinnerung an die 44000 Gefallenen 1914-1918
    5. Bild von links: Das Barlach-Relief, nach 60 Jahren seiner Wiedergeburt

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    Das neue Altonaer Rathaus von 1898 mit dem von Karl Garbers und Ernst Barlach gestalteten Giebelfeld und weitere geplante gemeinsame künstlerische Vorhaben für Gebäude und Plätze in Hamburg

    Das Altonaer Rathaus am Platz der Republik 1 in 22765 Hamburg ist seit 1898 das Rathaus der bis 1938 selbständigen Stadt Altona. Seit dem Ende des II. Weltkrieges befindet sich im Rathaus das Bezirksamt Hamburg-Altona. Vor der Nordseite des Rathauses steht das Reiter-Standbild von Kaiser Wilhelm I.

    Karl Garbers und Ernst Barlach erhielten vom Magistrat der Stadt Altona im November 1897 den Auftrag, das Giebelfeld der repräsentativen Nordfront des neuen Rathauses künstlerisch auszugestalten. Beide Künstler wählten die Form eines Reliefs. Bezüglich der thematischen Gestaltung ist aus den Bewerbungsunterlagen zu lesen:

    "Das Schiff als Symbol einer abgeschlossenen Gemeinschaft mit einer Familie, dem Urgliede alles organischen Staatswesens, geleitet von schirmender, fürsorgender Weisheit. Zwei Flügelgenien zu beiden Seiten sind als Wächter über äußeren Frieden und als Schutzgeister vor gewaltsamer Störung aufzufassen."

    Ein Jahr nach Auftragserteilung hatten die beiden Künstler ihr Werk am Giebelfeld des Altonaer Rathauses abgeschlossen.

    1. Bild von links: Karl Garbers und Ernst Barlach vor der Mittelfigur des Giebelfeldes am Neuen Rathaus Altona 1898 (26, 1, S. 23 unten)
    2. Bild von links: Nordseite des Neuen Altonaer Rathauses mit dem von Garbers und Barlach künstlerisch gestalteten Giebelfeld; vor dem Gebäude das Reiter-Standbild von Kaiser Wilhelm I. (26, 7, S. 30/31)
    3.+4. Bild von links: zwei Foto-Aufnahmen vom künstlerisch gestalteten Giebelfeld am Altonaer Rathaus (25, Ursula Höbbel, Hamburg 2009)

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    Ernst Barlach beließ es nicht beim Altonaer Rathaus, sich um die künstlerische Ausgestaltung von Gebäuden zu bemühen. Es folgten weitere Arbeiten:

    Vier Entwürfe für die Gestaltung des Giebelfeldes am Altonaer Realgymnasium zur Thematik "Die Jugend und die Zukunft" 1901.

    Dazu gibt es eine inhaltliche Beschreibung: "Im Hintergrund das hohe Meer mit teils bewaldeten, teils steilen höhlenartigen Inseln = das Leben mit seinen teils angenehmen, teils bitteren Schicksalen, seinen lockenden oder drohenden Geheimnissen. Im Vordergrunde die männliche Jugend, im Begriff dem Leben und der Zukunft nahezukommen" (1, S. 23 oben). Ernst Barlachs Entwürfe wurden abgelehnt, dem Schuldirektor gefielen sie nicht wegen des Mangels an Schönheit und Ausdruck ebenso wie der komplizierten Deutbarkeit des Relief-Inhalts.

    Bild: "Die Jugend und die Zukunft", 1901, Entwurf für die Giebelfeldgestaltung des Altonaer Realgymnasiums (26, 1, S. 23 oben)

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    Ernst Barlach widmete sich auch dem Vorhaben, über die Arbeiten am Neuen Rathaus in Altona hinaus dem Gesamtkomplex des Platzes (heute: Platz der Republik) um das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. ein einheitliches Gesicht zu geben.

    Bild: Entwurf für die Platzgestaltung um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hamburg 1898, Blatt 1, Feder und Tusche (26, 1, S. 22)

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    Schließlich versuchten sich Karl Garbers und Ernst Barlach an einem letzten gemeinsamen Vorhaben: die Großplastik "Neptun"  für das Verwaltungs-Gebäude der Hamburg - Amerika - Linie. Das Kunstwerk wurde Ende des I. Weltkrieges abgebrochen und verschrottet.

    Grabmal Moeller-Jarke Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof 1900/1902

    Das Familiengrab Moeller-Jarke war von Ernst Barlach im Jugendstil errichtet worden. Der Hamburger Reeder und Konsul Gustav Moeller (1843 - 1921) hatte den Bau des Grabmals in Auftrag gegeben. Sein Sohn Walter Moeller, der 1900 im Alter von 23 Jahren gestorben war, sollte hier als erster begraben werden. Ernst Barlach lebte seit 1899 für kurze Zeit in Berlin, als er von 1900 bis 1902 am Familiengrab Moeller - Jarke arbeitete. In einem Taschenbuch äußerte sich Ernst Barlach 1901 zur Idee und zum Konzept dieser Grabstätte:

    "An der Grabespforte wachend steht ohne alle allegorische Kennzeichnung eine weibliche Figur, welche das rein menschliche Gefühl schmerzlicher Erinnerung verkörpert. In Haltung und Gebärde soll sich ein Lauschen ins Innere des Grabes, zugleich aber ein alle äußere Störung abwehrendes, zu Andacht in Ernst aufforderndes Mahnen aussprechen. Trauer muss bei den Bewegungen Mäßigung und Ruhe auferlegen. Ein kleiner Engel selbst, dessen Musicieren als das Rauschen des umgebenden Waldes zu denken ist, hat im Hinblick auf die dem ganzen Platz auferlegte Feierlichkeit seinen Bogen abzusetzen. So wie er soll auch der Besucher des Grabes oder der zufällig Vorübergehende das immerwährende Walten der trauernden Erinnerung eindringlich empfinden" (7, S. 33).

    Bild: Familiengrabstätte Moeller - Jarke auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, 1902 (26, 7, S. 32)

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    Ernst-Barlach-Haus Stiftung Hermann F. Reemtsma Hamburg, Jenischpark, 1962

    Bild: Plan vom Jenischpark mit dem Ernst-Barlach-Haus (26, aus: Ernst-Barlach-Haus / Stiftung Hermann F. Reemtsma, Jenischpark, Baron-Voght-Straße 50a, 22609 Hamburg)

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    Aus einer zufälligen Begegnung des Hamburger Fabrikanten Hermann F. Reemtsma mit Ernst Barlach in dessen Güstrower Atelier im August 1934 entstand beim Anblick einer Figur aus dem späteren "Fries der Lauschenden" das starke Interesse für Barlachs Kunst, im besonderen für die bereits vorhandenen drei Figuren des „Frieses der Lauschenden": Der Wanderer (1930), die Tänzerin (1931), die Träumende (1931). Ernst Barlach war voller Dankbarkeit gegenüber Hermann F. Reemtsma, als dieser Geschäftsmann dem Künstler einen Auftrag für die Fertigstellung weiterer sechs Figuren des Frieses der Lauschenden erteilte. Von "beglückender Genugtuung" getragen, zum Eifer angespornt, schuf Ernst Barlach in relativ kurzer Zeit die weiteren sechs Figuren des Frieses: Der Gläubige (1934), der Empfindsame (1935), die Erwartende (1935), der Blinde (1935), der Begnadete (1935), die Pilgerin (1935).

    Gegenüber Hermann F. Reemtsma formulierte Ernst Barlach bereits 1934 bewegende Dankesworte: "Zu wissen, dass eine unverhohlene Zustimmung Ihrerseits bei der Betrachtung mit der Vollendung des Frieses die Quelle Ihres Entschlusses sei, ist für mich natürlich die schönste Aufgabe, wer möchte nicht vor allem seine Arbeit in Hände legen, die im Ernst nach ihr verlangen" (7, S. 85).

    Ernst Barlach: Der "Fries der Lauschenden" aus 39, 26, Ernst-Barlach-Haus, Reemtsma-Stiftung, Hamburg Jenischpark: 

    Bild links: die Pilgerin, der Begnadete, die Erwartende
    Bild mitte: die Empfindsame, der Wanderer, die Träumende
    Bild rechts: die Tänzerin, der Blinde, der Gläubige

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    Das Eintreten des Fabrikanten Reemtsma für die Kunst Ernst Barlachs zu einer Zeit, als dieser Künstler durch die Nationalsozialisten verfolgt worden ist, mündete in der Initiative von Hermann F. Reemtsma, als Förderer Barlachscher Kunst durch Sammlungen und Ankäufe, durch die Gründung der Stiftung Hermann F. Reemtsma sowie durch Auftragserteilung an den Architekten Ernst Kallmorgen, ein Museum als Ernst - Barlach - Haus im Jenischpark von Hamburg zu errichten. Im Oktober 1962 wurde dieses Museum der öffentlichkeit übergeben.

    Das Ernst-Barlach-Haus Stiftung Hermann F. Reemtsma ist seit seiner Gründung eine Vorzeigeadresse für jeden Bürger, der zufällig, vor allem absichtlich die Ausstellungen dieses Hauses besucht. Dieses Barlach - Haus erhöht seine Wirksamkeit auch durch die Angebote von Sonderausstellungen, durch Konzepte für Vortragsreihen und Konzerte, initiiert durch die Stiftung in Verbindung mit der Hamburger Musikhochschule.

    Foto-Variationen zu Barlachschen Kunstwerken aus dem Ernst-Barlach-Haus, Stiftung Hermann F. Reemtsma, am Jenischpark, Baron-Voght-Straße 50 a, 22609 Hamburg, 25, im August 2009:

    Bilder: Auf dem Wege zum Ernst - Barlach - Haus im Jenischpark

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    H19b_web_small.jpgH19c_web_small.jpgH19d_web_small.jpg

    Bild links: Ernst-Barlach-Haus
    Bild rechts: Zwei der drei Figuren aus "Gemeinschaft der Heiligen": "Der Sänger", "Frau im Wind"

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    "Der Fries der Lauschenden", 25:

    Bilder: Fries der Lauschenden

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    1. Bild von links: Die Träumende, der Gläubige
    2. Bild von links: Die Tänzerin, der Blinde
    3. Bild von links: Der Wanderer, die Pilgerin
    4. Bild von links: Der Empfindsame, der Begnadete
    5. Bild von links: Die Erwartende

    H21ab_web_small.jpgH21cd_web_small.jpgH21ef_web_small.jpgH21gh_web_small.jpgH21i_web_small.jpg


    Eine Auswahl weiterer Plastiken aus dem Ernst-Barlach-Haus, 25:

    Bilder: Russische Bettlerin

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    Bilder: Der Berserker

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    Bilder: Das Wiedersehen

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    Bilder: die Flamme

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    Bilder: Der Buchleser

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    Bilder: Der Zweifler

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    Bilder: Der Rächer

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    Bilder: Der singende Mann

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