wege zu barlach

Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Ebersdorf/Thüringen (1931)

Touristinformation/Bürgerservice Saalburg-Ebersdorf, Markt 1, 07929 Saalburg-Ebersdorf, Tel. 036647/29080

Thüringen besitzt mit Ebersdorf den einzigen Ort, in dem eine Großplastik für den öffentlichen Raum – die Grabanlage für die Fürstenfamilie Reuss – nach dem Gestaltungskonzept von Ernst Barlach 1931 geschaffen worden ist.

Ebersdorf liegt am Rande des Naturparks Thüringer Schiefergebirge, und in unmittelbarer Nähe befinden sich Deutschlands größte Stauseen der Saale, dem Bleiloch-Stausee und dem Hohenwarte-Stausee, die seit 1932 bestehen.

Bild links: Pavillon Bellevue (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 1, 2. Reihe
Bild mitte: Lage-Skizze des Ortes Ebersdorf an der Bleiloch – Talsperre  aus Broschüre Saalburg-Ebersdorf, Rückseite
Bild rechts: Landkarte Bleilochstausee mit Ebersdorf aus "Thüringer Meer", 2 Faltseiten des Flyers

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Bild links: Fotografie des Ortes Ebersdorf aus Ansichtskarte "Grüße aus Ebersdorf / Thüringen
Bild mitte: Lage-Sklizze des Schloss-Parks Ebersdorf (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3
Bild rechts: Foto "auf dem Wege zur Grabanlage Reuss" (vgl: Mini-Foto aus Blatt 3)

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Seit dem 1. Januar 2003 wurde das 600-jährige Ebersdorf mit der noch älteren Stadt Saalburg, direkt am Stausee gelegen, zur Stadt 07929 Saalburg-Ebersdorf zusammengelegt. Ebersdorf war für das Fürstentum Reuß jüngere Linie die Sommerresidenz, Gera war die Haupt– und Residenzstadt (Schloss Osterstein). Ebersdorf liegt an der Reußischen Fürstenstraße, die über 110 Kilometer von Bad Lobenstein über Ebersdorf, Schleiz, Greiz, Weida und Gera bis nach Bad Köstritz führt, dem Geburtsort des Komponisten Heinrich Schütz. Auf einer landschaftlich reizvollen, kulturell bedeutsamen Straße zieht sie sich durch die ehemaligen Herrschaftsgebiete der hier früher ansässigen Reußischen Fürsten. Die Grafschaft Reuss-Ebersdorf entstand nach mehreren Teilungen der jüngeren Linie Reuss im Jahre 1678. Ebersdorf wurde Hauptort dieser Grafschaft. 1401 wurde Ebersdorf als Sitz eines Rittergutes urkundlich erwähnt. Unter Graf Heinrich X. wurde Ebersdorf zur Residenz. Er baute 1692 das Schloss, dem folgten später mehrere Aus- und Erweiterungsbauten. Das Ebersdorfer Schloss ist eine repräsentative Anlage der ehemaligen Schlösser von Reuss  jüngerer Linie. Auf der Grundlage des im Thüringer Landtag erhobenen Gesetzes über die Enteignung der ehemaligen Fürstenhäuser wurde diese Enteignung 1948 vollzogen. Das Schloss fungierte seit dem und bis zum Jahre 2000 als Pflegeheim. Gegenwärtig ist die Nachnutzung des ehemaligen Schlosses ungewiss. 100 Jahre nach dem Bau des Schlosses entstand nach den Entwürfen des Baumeisters Schuricht die Orangerie.Nach Einblick in den Innenraumder Orangerie scheint dieses Gebäude gegenwärtig für kulturelle, gesellschaftliche und privat organisierte Veranstaltungengenutzt zu werden.

Der Schlosspark der Fürstenfamilie Reuss in Ebersdorf mit den im Park gestalteten Sehenswürdigkeiten, als Rundgang vom Autor fotografiert (25, 05/2007)

1. Bild von links: Eichen-Allee (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 1)
2.+3. Bild von links: Blicke auf das Teehäuschen ((vgl.: Mini-Fotos aus Blatt 4)
4. Bild von links: Blick aus dem Teehäuschen (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 1)

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Am Teehäuschen vorbeigehend, gelangt man am Süd/West-Rand des Parks zum Grabmal Reuss, von Ernst Barlach entworfen.

Bild: Grabmal Reuss in der Ferne (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 1)

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In Fortsetzung des Rundgangs durch den Schlosspark gibt es weitere ansehenswerte Standorte: das Denkmal “die Familie’’ vom Ebersdorfer Bildhauer Friedrich Popp, das Teichhäuschen am Pfotenteich, immer ein begehrenswertes Fotomotiv, das Japanische Häuschenam Hang oberhalb des Friesaubaches sowie die Grundschule am Park, ehemals die Friedrich-Wolf-Oberschule, 1953 erbaut.

1. Bild von links: Denkmal “die Familie“ von E. Popp, Ebersdorf
2. Bild von links: Der Pfotenteich (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 2)
3.+4. Bild von links: Blicke auf das Teichhäuschen am Pfotenteich (vgl.: Mini-Fotos aus Blatt 4)

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1.-3. Bild von links: Blicke auf das Japanische Häuschen (vgl.: Mini-Fotos aus Blatt 3)
4. Bild von links: ehemalige Grundschule am Park, Friedrich-Wolf-OS von 1953 (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 4)

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Das Schloss der Fürstenfamilie Reuss in Ebersdorf und die Orangerie, durch den Küchenteich getrennt, befinden sich seit ihrer Entstehung in dem etwa 55 ha umfassenden Landschaftspark, der seit 1968 als geschützter Park unter Denkmalschutz steht.

Bild links: Orangerie (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 2)
Bild rechts: Schloss Reuss, Süd-Ost-Seite (vgl.: Mini-Foto aus blatt 2)

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Bilder: Foto-Variationen zum Schloss Reuss, West-/Park-Seite (vgl.: Mini-Fotos aus Blatt 2)

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Bilder: (Qualität von 12c, 12d?) Kriegerdenkmal: "DER GEFALLENEN SÖHNE DENKT DIE DEUSCHE MUTTER’’ (vgl.: Mini-Fotos aus Blatt 2)

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Der Reiz des Ebersdorfer Schlossparks liegt im Reichtum seiner Gehölze, die als Einzelbäume, in kleineren oder größeren Gruppen gepflanzt, ein abwechslungsreiches Bild ergeben. Auffällig ist, das bei der Anlage des Parks auf das Pflanzen heimischer Bäume, wie Bergahorn, Ulme, Lärche, Buche, Linde, Eiche, Erle geachtet und nur in Ausnahmefällen ausländische Exemplare gepflanzt worden sind, wie Weymouthkiefer, Douglasie, Pennsylvanischer Ahorn.

..."Im Ebersdorfer Park als Denkmal der Landschafts- und Gartengestaltung hat sich das Erscheinungsbild und die Wirkung der Anlage im Laufe der Jahrhunderte geändert und war dem Geschmack der jeweiligen Landesherren bzw. späteren Eigentümer unterworfen, dennoch folgten alle Ergänzungen unter Rücksichtnahme auf das ursprüngliche Gestaltungskonzept... Seit September 1999 liegt ein Gestaltungskonzept vor, das Gegenstand einer Diplomarbeit von Marko SEIFERT an der Fachhochschule Anhalt in Bernburg war... Dabei geht der Autor in seiner Analyse und Zielsetzung von der Erhaltung des historischen Parkzustandes von 1939 aus...Der Autor führt in seiner Arbeit Maßnahmen auf, ...die vom Wegebau bis hin zur Feststellung von Vitalität und Pflegeaufwand für die einzelnen Baumgruppen auf der Stollenwiese reicht." Sabine Berner stellt aber auch fest, dass der gestiegenen Aufmerksamkeit und Sensibilität für die gartendenkmalpflegerische Umsetzung hohe finanzielle Belastungen für eine kleine Gemeinde entgegen stehen. Gleiches gelte für das seit Sommer 2000 leerstehende Ebersdorfer Schloss. Es sei jedoch das Ziel, "bei einer Neunutzung des Schlossareals wieder den Park und die Orangerie in ein Gesamtnutzungskonzept zu integrieren, um die Erhaltung des Landschaftsparks mit seinen baulichen Anlagen und deren Neuordnung dauerhaft zu garantieren" (vgl.: 13, S. 43f.).

Foto-Variationen vom Schlosspark Ebersdorf:

Bild links: Blick über die Stollenwiese (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3)
Bild rechts: Brücke über den Friesau-Bach (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 1)

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Bild links: Parklandschaft mit Friesau-Bach (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 1)
Bild mitte: dichter Baumbestand im Park Ebersdorf (vgl.: Mini-Foto aus blatt 2)
Bild rechts: am Küchenteich (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 2)

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Handlungsabläufe zum Bau der Grabanlage Reuss im Schlosspark Ebersdorf (vgl: 6, S. 90 ff.)

Aus Unterlagen wurde ersichtlich, dass Heinrich XLV. Erbprinz Reuss Ende 1929 Ernst Barlach mit der Herstellung eines Grabmals für seine Eltern und seine zwei Brüder beauftragt hat. Ernst Barlach hatte seit dem Februarund bis zum Dezember 1929 an einer größeren Anzahl sehr variantenreicher Entwürfe in Kohle gearbeitet, gleichsam als Suche nach einem überzeugenden Konzept für diese Grabanlage:

(ab Bild 26 die richtige Reihenfolge herstellen)

1. Bild von links: Grabmal Reuss (Entwurf: dreiteilige Anlage mit zentral positionierter weiblicher Gestalt), 6, S. 94 1929
2. Bild von links: Grabmal Reuss (Entwurf: halbkreisförmige Anlage mit Christusfigur), 1929, 6, S. 95
3. Bild von links: Grabmal Reuss (Entwurf: turmartige, gegliederte Grabkapelle), 1929, 6, S. 96
4. Bild von links: Grabmal Reuss (Entwurf: kuppelförmiger Tumulus mit umlaufendem Fries), 1929, 6, S. 97

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1. Bild von links: Grabmal Reuss (Entwurf: Gesamtanlage), 1929, 6, S. 90
2. Bild von links: Grabmal Reuss (Gesamtmodell der Anlage), 1930/31, 6, S. 92
3.+4. Bild von links: Grabmal Reuss, Trauernde I, Trauernde II aus 6, S. 93

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"Euer Durchlaucht,

Ihrer Aufforderung nach Ebersdorf zu kommen wird mir bei Übersicht meiner Pläne sehr schwer nachzukommen. Es obliegen mir Verpflichtungen, die ich schon v(or) Jahreszeit, des garstigen Kösters wegen nicht außer Acht lassen darf, wobei ich außerordentlich bedaure, die Arbeit für "Grabmal in Ebersdorf’’ nicht unter d(en) Händen zu haben, die dann natürlich ohne Unterbrechung gefördert werden müßte. Darf ich Euer Durchlaucht bitten, mir vor Ihrer Abreise das Ungefähre Ihrer Bedenken mitzuteilen, die nun auch gegen mein Projekt vorliegen. Ich hoffe aufs Ernsteste, daß es mir möglich sein wird, den Plan so zurechtzurücken, daß er vollkommen Ihren Wünschen entspricht und bin mir eines bewusst, dass d(er) Bau eines solchen Mals nur mit restloser innerer Zustimmung des Auftraggebers beschlossen werden kann.

Mit dem Ausdruck meiner größten Ergebenheit Ihr EBarlach" (1, S. 144)

Zusatz des Autors Fehske:

Dieser Meinungsaustausch zwischen Ernst Barlach und Erbprinz Heinrich XLV. bezieht sich auf den nicht konkret angesprochenen Vorgang zur Restaurierung der durch Witterungsunbilden entstandenen Risse im Stein des Kreuzes und der Mauer.

Das Fundament des Denkmals und die vier Grabkammern stellte Baumeister Scheidig, Ebersdorf her. Die Steinarchitektur des Kreuzes und der Grabplatten besorgte nach Barlachs Entwürfen die Firma Arnold in Restenhausen am Main. Die im Barlachschen Werkverzeichnis als "Trauernde’’ bezeichneten Figuren – bestimmt für die beiden Seiten des Kreuzes – sind nach Barlachs Entwürfen in seiner Güstrower Werkstatt hergestellt worden. Die Figuren sind aus Muschelkalkstein, sie wurden nach dem Werkmodell 1 : 2 vom Steinbildhauer Eugen Treleani geformt. Schließlich sind die Figuren "Trauernde’’ am 15. Oktober 1931 im Waggon zum Versand gebracht worden und in Ebersdorf an das Kreuz angefügt worden. Hinten ist die gesamte Anlage von einer niedrigen, in Wellenform gehaltenen Mauer begrenzt, am Kopfende der Gräber befinden sich die einzelnen Grabsteine. Einbezogen in die Begrenzungsmauer erhebt sich hinter den Zentralgräbern ein Kreuz, auf eine Gedenktafel mit Inschriften gestellt. An den Seiten des Kreuzes sitzen die zwei Trauernden jeweils auf einem Sockel, mit dem Rücken gegen das Kreuz gelehnt. Beide Frauen sind in einen Umhang gehüllt, der über den Kopf geführt ist, das Gesicht frei lassend. Die Beine sind in rockartige Gewänder gehüllt. "Trauernde I“ blickt aus zu Schlitzen verengten Augenliedern, die Hände aus dem Umhang heraus auf dem Schoß liegend. "Trauernde II“ hat die Augen geschlossen, ihre Arme und Hände sind unter dem Umhang nach oben bis unter das Kinn geführt. Ernst Barlach hatte sich zum Schluss der Arbeiten vor allem den Trauernden zugewandt und die Gesichter sowie die Hände beider Figuren noch einmal überarbeitet. Nach Fertigstellung des Grabmals Reuss schrieb Heinrich XLV. Erbprinz Reuss an Ernst Barlach am 26. Oktober 1931 einen Dankesbrief in großer Herzlichkeit und Wertschätzung dieser außerordentlich gelungenen Gesamtgestaltung. Über die Trauernden schrieb er:

“Die Gestalten fügen sich wunderbar an das Kreuz und verbinden die Gräber. Wie sind Ihnen diese Gestalten gelungen in ihrer Körperlichkeit, in ihrer Gebundenheit, in ihrem gefassten und zugleich suchenden Ausdruck. Ich bin ganz ausgefüllt von einer dankbaren Freude über diesen Besitz. Es ist mein herzlicher Wunsch, daß Sie einmal, vielleicht im Frühjahr oder im Sommer hierher kommen können, um sich selbst zu überzeugen, wie schön alles geworden ist’’ (6, S. 92).

Grabanlage der Fürstenfamile Reuss: Foto - Variationen (25, 07/2008)

Bild links: Zentrum der Grabanlage aus der Ferne (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3)
Bild mitte: Grabanlage von links mit "Trauernde I" (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3)
Bild rechts: Grabanlage von rechts mit "Trauernde II" (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3)

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Bild links: Grab des Sohnes Heinrich XLIII Prinz Reuss (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3)
Bild rechts: Gräber der Mutter Elise Fuerstin Reuss und des Vaters Heinrich Fuerst Reuss (vgl.: Mini-Foto aus Blatt 3)

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Grabanordnung im Detail (Daten sind auf den Deckplatten der Gräber enthalten)

Sohn Mutter Vater Sohn
HEINRICH XLIII
 
ELISE
 
HEINRICH
 
HEINRICH XI
 
PRINZ
REUSS
FUERSTIN
REUSS
FUERST
REUSS
PRINZ
REUSS

geb.: 25.07.1893
gest.: 18.05.1912

geb.:04.09.1864
gest.: 18.03.1929

geb.: 10.11.1858
gest.: 21.11.1928

geb.: 17.09.1891
gest.: 04.11.1891

Im Abstand von etwa 10 Metern rechts von der Grabanlage Reuss befindet sich heute ein Naturstein mit einer Erinnerungsplatte aus Metall, den Erbprinzen Heinrich XLV. betreffend. Er war ein Förderer Barlachs bezüglich der Uraufführung des Dramas „Die gute Zeit’’ am 28. November 1929 im Reußischen Theater Gera sowie der Auftraggeber für den Bau der Grabanlage Reuss im Schlosspark von Ebersdorf:

ERBPRINZ  XLV  REUSS geboren 13.05.1895 in Ebersdorf / THR. verschleppt beim Einmarsch der sowjetischen Armee am 18.08.1945 in Ebersdorf

Bild: Gedächtnis-Stein Heinrich XLV Erbprinz Reuss mit Erinnerungsplatte

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Aus allem bisher Gesagten wird deutlich, welchen Werdegang der Bau der Grabanlage Reuss in Ebersdorf genommen hatte und wer dabei in der Verantwortung für die Fertigung des Denkmals gestanden hatte. Umso überraschender für Eingeweihte war die Mitteilung in der Schleizer Zeitung vom 7. August 1931 bezüglich der Überführung der Särge aus der Schleizer Bergkirche in den Schlosspark von Ebersdorf: "Das Grabmal ist nach einem Entwurf von Thilo Schneider in Gera auch von diesem ausgeführt" (vgl: 13, S. 27). Den Sachverhalt verschleiernd, verfuhren die Presseorgane in Gera und in Lobenstein, zwar von der Überführung der Särge zu sprechen, aber weder die Grabanlage, noch den Namen des Schöpfers Ernst Barlach zu nennen. Es galt als sicher, dass Ernst Barlach als Gestalter dieser Grabanlage mit Absicht nicht genannt worden war, um wegen der Verleumdungskampagnen, die seit längerem gegen ihn losgebrochen waren, keine neuen Angriffsmöglichkeiten zuzulassen. Ähnliches ist bei Erik Stephan zum Bauleiter des Grabmals Reuss, allerdings mit einem anderen Namen als Urheber zu lesen (6, S. 93):

"Da bereits 1930, bedingt durch den Wahlsieg der konservativen Parteien im Thüringer Landtag, im Weimarer Museum sechs Lithographien von Ernst Barlach (sowie Werke von Feininger, Kandinsky, Klee u.a.) ausgesondert wurden, versuchte Heinrich XLV. die Urheberschaft des Grabmals zu verheimlichen. So nennt die örtliche Presse anlässlich der Überführung der Särge den Geraer Thilo Schoder als Urheber des Grabmals".

Unter "Thilo Schoder’’ konnten im Internet Angaben zum Leben Schoders gefunden werden, gekürzt: "Thilo Schoder wurde 1888 in Weimar geboren. Er studierte Innenarchitektur bei Henry van de Velde in Weimar, 1916 siedelte er nach Gera über. Mitte der zwanziger Jahre konzentrierte er sich auf den Bau von Wohnsiedlungen. Die Wohnsiedlung in Hermsdorf konnte als Musteranlage neuzeitlichen Kleinwohnungsbaus angesehen werden. Ende 1932 emigrierte Schoder nach Norwegen, dem Heimatland seiner zweiten Frau. Thilo Schoder starb im Alter von 91 Jahren 1979 in seinem norwegischen Exil."

In der Nähe des Schlosses Ebersdorf befindet sich der Zinzendorfplatz. Um diesen Platz herum gibt es eine Besonderheit in Ebersdorf: Hier wurden vor rund 260 Jahren Häuser für die Herrnhuter Brüdergemeine gebaut.

Seit 1746 gab es eine Brüdergemeine in diesem Ort. Die Ansiedlung dieser Gläubigen war veranlasst durch die Heirat des Grafen Zinzendorf mit Erdmuth Dorothea Gräfin Reuß-Ebersdorf im Jahre 1722. Die Geschichte der Brüder-Unität begann in Böhmen. Die evangelische Kirche der “bömischen Brüder’’ entstand 1457 aus der reformatorischen Bewegung des Theologen Johann Hus. Mitglieder der Brüder- Unität wurden im Verlaufe von Jahrhunderten verfolgt und unterdrückt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts fanden Familien dieser Unität Zuflucht in der Oberlausitz. Dort stellte der Reichsgraf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760) den Flüchtlingen Land zur Verfügung und gründete mit ihnen den Ort Herrnhut. Auf Grund seiner Tatkraft, seiner seelsorgerischen Begabung und seines Ideenreichtums entwickelte sich eine christliche Lebens- und Glaubensgemeinschaft. Die Brüder-Unität nannte sich später Herrnhuter Brüdergemeine. Durch die Heirat von Graf Zinzendorf und Gräfin Reuß-Ebersdorf kamen die ersten Brüder und Schwestern als Bedienstete auf das Schloss Ebersdorf. Je mehr Gläubige von Herrnhut kamen, desto eigenständiger wurden die Herrnhuter in Ebersdorf. 1745 gab es 400 Mitglieder dieser Glaubensgemeinde. Heute sind es noch 100 Mitglieder. Mit der Einweihung des Kirchensaales am 26. Oktober 1746 wurde sie eine richtige Kirchgemeinde. Ein wichtiges Betätigungsfeld sind die diakonischen Aufgaben: Seit 1919 und 1922 gibt es zwei Kinderheime. Seit 1946 existiert das Altenheim „Emmaus’’.

Bekannt sind die “Losungen’’ – ein Andachtsbuch, das jährlich erscheint und in 40 Sprachen von Christen in aller Welt gelesen wird. 2008 gab es die 278. Ausgabe:

Bild 40: Die Losungen 2008 (folgt noch)


Text zu Gottes Wort auf dem Titelblatt:

Gottes Wort für jeden Tag

Die Losungen sind ein Weg, Gottes Wort mit dem Alltag zu verbinden. Fürjeden Tag des Jahres bieten sie zwei Bibelworte an, dazu einenLiedversoderein Gebet aus der christlichen Tradition. DieLosungenkönnen ein ersterSchrittsein, die Bibel in ihrer ganzen Breite und Tiefe kennen zu lernen.

Gottes Wort in 50 Sprachen

Die Losungen erscheinen in 50 Sprachen in aller Welt. Sie verbinden Menschen unterschiedlicher Kulturen und Konfessionen Allein in deutscher Sprache haben die Losungen eine Auflage von einer Million Exemplaren. Sie sind jedes Jahr ein stiller Bestseller im Buchhandel.

Gottes Wort seit 278 Jahren

Die Losungen erscheinen jedes Jahr seit 1731 ohne UnterbrechungSeither sprechen sie zu ganz unterschiedlichen Menschen, über alle Wechsel der Gesellschaftsordnungen hinweg.

Sehr bekannt für viele Menschen sind die Herrnhuter Sterne, die vor allem zur Advents- und Weihnachtszeit in den Wohnungen der Familien und in vielen Gotteshäusern ihr Licht erstrahlen lassen
(vgl.: Herrnhuter Brüdergemeine: www.ebersdorfer.bruedergemeine.net/geb.html).

Ebersdorf in Thüringen: Gebäude – Ensemble der Herrnhuter Brüdergemeine in Ebersdorf

Bild: Plan des Gebäude-Ensembles: Herrnhuter Brüdergemeine Ebersdorf als Historischer Gebäudekomplex (vgl.: Mini-Fotos aus Blatt 2)

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1. Bild von links: Comtessenhaus von 1744/45 mit Haus-Info-Tafel (42) (vgl.: MiniFoto aus Blatt 1)
2. Bild von links: Sorauisches Haus von 1743, heute "Parkhotel" mit Info-Tafel (43) (MIni-Foto aus Blatt Blatt 1)
3. Bild von links: Chorhaus der ledigen Schwestern von 1761, Apotheken-Gebäude mit Info-Tafel (44) (Mini.Foto aus Blatt 3)
4. Bild von links: Witwenhaus von 1783 mit Info-Tafel (45) (Mini-Foto aus Blatt 3)
5. Bild von links: Alte Post (41/6 fehlt noch)
6. Bild von links: Schwesternhaus von 1746/47 mit Info-Tafel (47) (Mini-Foto aus Blatt 3)

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1. Bild von links: Gemeinhaus mit Kirchensaal von 1746 mit Info-Tafel (48) (Mini-Foto aus Blatt 1)
2. Bild von links: "kleines" Brüderhaus mit Info-Tafel (49b) (Mini-Foto aus Blatt 1, mitte)
3. Bild von links: Brüderhaus (Hausansicht) mit Info-Tafel (49a) (Mini-Foto aus Blatt 1
4. Bild von links: Zinzendorfplatz, im Hintergrund Gemeinhaus (50) (Mini-Foto aus Blatt 4)

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