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Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Die gute Zeit (1929)

Uraufführung am 28. November 1929

034_small.jpgReußisches Theater Gera
Altenburg-Gera Theater GmbH
Küchengartenallee 2
07548 Gera

Im Reußischen Theater Gera gab es insgesamt 5 Aufführungen des Dramas "Die gute Zeit". Die Statistik weist eine geringe Anzahl von Inszenierungen auf: so am 10. Oktober 1992 im Theaterdock, Studio an der Freien Universität, Berlin; am 10. September 1993 im Mecklenburgischen Landestheater Parchim (8 Aufführungen); am 16. November 2004 in der Theaterwerkstatt Melchiorsgrund im Ernst Barlach Haus (vgl.: 28, S. 369). 

Vortitel der Erstausgabe zu Ernst Barlachs Drama “Die gute Zeit“, 1929, Quelle 28, S. 369; 26 (© Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg; Ernst Barlach Stiftung, Güstrow)

Externer Link: Inhalt des Dramas „Die gute Zeit”


Die Verbindungen der Fürstenfamilie Reuß zum Bildhauer Ernst Barlach

Die im thüringischen Raum ansässige Fürstenfamilie Reuß lebte im Sommer im Schloss Ebersdorf, im Winter im Schloss Osterstein von Gera. Beziehungen der Fürstenfamilie Reuß zu Ernst Barlach waren in erster Linie zum Künstler Barlach als Dramatiker geknüpft worden. Noch zu Lebzeiten von Heinrich XXVII. Fürst Reuß waren im Abstand von zwei Jahren drei Dramen Ernst Barlachs aufgeführt worden: 1923 "Die Sedemunds", 1925 "Die Sündflut", 1927 "Der arme Vetter". Auch hatte sich Erbprinz Heinrich XLV. als Berater, Regisseur, Dramaturg und Autor am Geraer Theater um eine Uraufführung von Barlachs Drama "Die gute Zeit" bemüht, die am 28. November 1929 stattfand, einige Wochen, bevor der Erbprinz den Auftrag zum Bau der Grabanlage Reuß in Ebersdorf an Ernst Barlach erteilt hatte.

Einblick in die Geschichte des Reußischen Theaters Gera

Das Geraer Theater hat eine sehr lange Tradition. Die älteste Bühne entstand bereits 1615. Nach 1730 traten wandernde Theatergruppen in einer Art Freilichtbühne, dem "Heckentheater" auf. 1822 wurde ein massives Theatergebäude erbaut. Nachen Plänen des Architekten Heinrich Seeling entstand in den Jahren 1900 bis 1902 das noch heute bestehende Geraer Theater am Küchengarten. Das Äußere des Theaters zeigte sich im italienischen Renaissance-Stil, das Innere war im Jugendstil gestaltet. Die Geschichte des Hauses ist eng mit dem Wirken der Fürstenfamilie Reuß verbunden: Ab 1908 befand sich dieses Theater bereits als "Fürstliches Hoftheater völlig im Privatbesitz der Reußischen Fürsten. Ab 1919 wurde das Theater als Stiftungstheater mit maßgeblicher Unterstützung des Fürstenhauses Reuß als "Reußisches Theater" betrieben. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte das Theater seine Blütezeit. Gespielt wurden natürlich die Klassiker, dann Stücke mit großer Breitenwirkung, aber auch zeitgenössische Dramen, modernes Musiktheater und Ausdruckstanz. Das Geraer Theater war Schule und Sprungbrett für junge Schauspieler (Bernhard Minetti, Hans Otto). Gespielt wurden Werke von Autoren wie Ernst Barlach, Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer. Als Schirmherr fungierte Heinrich XLV. Erbprinz Reuß, genannt der "Theaterprinz" von Gera. Abnmerkung: Heinrich XLV. Erbprinz Reuß, geboren 1895 in Ebersdorf (Thüringen), hat nach dem I. Weltkrieg Literatur, Musikwissenschaft und Philosophie studiert. Zu Beginn der 30er Jahre hatte sich Erbprinz Heinrich XLV. zu den Ideen des Nationalsozialismus bekannt, wurde 1945 beim Einzug der sowjetischen Armee interniert und gilt seit dieser Zeit als „verschollen", man sagt auch, er sei nach der Internierung in Buchenwald umgekommen. Nahe der Grabanlage der Fürstenfamilie Reuß im Schlosspark von Ebersdorf, von Ernst Barlach entworfen, gibt es einen Findling mit einer Metallplakette und einem darauf befindlichen Text zu Lebensdaten und zur Erinnerung an dieses Mitglied der Fürstenfamilie Reuß.

1944 und vier Wochen vor Beendigung des II. Weltkrieges (6. April 1945) wurde das Theatergebäude von Bomben getroffen und zum Teil zerstört. Bereits am 15. September wurden die Bühnen der Stadt Gera auf Geheiß des sowjetischen Stadtkommandanten mit "Figaros Hochzeit" von Wolfgang Amadeus Mozart wiedereröffnet. Als die Stadt Gera später die Verwaltungsgeschäfte des Theaters übernommen hatte, führte das Theater den Namen Bühnen der Stadt Gera. Die Räumlichkeiten im Innern des Theaters weisen eine Besonderheit auf: Zu jedem Theater gehört ein Zuschauerraum, in Gera gibt es außerdem innerhalb des Theater-Gebäudes einen Konzertsaal mit einer sehens- und hörenswerten Sauer-Orgel. In der Vergangenheit hat sich der Spielbetrieb auf drei Sparten orientiert: das Schauspiel, vorherrschend die Gegenwartsstücke, Ballett-Aufführungen als "Ballett-Tage sowie die Geraer Orgeltage. Seit 1995 existieren die Bühnen der Stadt Gera in der Fusion mit dem Theater Altenburg als Altenburg-Gera Theater GmbH.


Foto-Variationen vom Theater in Gera, ehemals Reußisches Theater, heute Theater Altenburg/Gera GmbH (26, 25)

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Bühnenbilder und Figurinen von Ernst Barlachs Drama “Die gute Zeit“, 1929 (Auswahl), Quelle 28: Terrassen am Meer, Atlas inmitten seiner Anhängerschaft, links am Tisch sitzende Celestine, 1929, Kohle, S. 59; Vorbereitung der Kreuzigung, 1929, Kohle, S. 60; Syros und Celestine, 1929, Kohle, S. 60; 26 (© Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg; Ernst Barlach Stiftung, Güstrow)

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Dunkel und schwer sind die Wege zu Barlach. Dunkel insbesondere zu seinen Dramen. Nie wird er jene Klarheit gewinnen, die mit der tiefsten Weisheit die Einfachheit, die Verständlichkeit des Gestaltens erreicht. Nie vielleicht wird er ein Dramatiker sein, von dem wir den klaren Bau, die Schlagkraft, die unmittelbare Wirkung erwarten. Nie vielleicht wird er als Dramatiker das gelten, was er schon heute als Plastiker gilt. Er wird vielleicht immer der Vorläufer, der Prophet bleiben. Aber wir können seine sprachliche und visionäre Schöpferkraft trotz alledem nicht entbehren [...] Barlach ist es wert, dass wir um ihn verzweifeln, dass wir seinen Gesichten nachjagen, dass wir in Dunkelheiten dringen, die er uns errichtet. Wer seine reine, einsame Gestalt liebt, der muss ihn auch da noch lieben und unterstützen, wo er uns erschreckt, wo sein Weg Grenzen des Begreifens, des menschlichen Gesetzes überschreitet.

(Aus der Kritik zur Uraufführung des Dramas "Die gute Zeit" von Ernst Barlach am Reußischen Theater Gera von Erbprinz Reuß, Heinrich XLV. Barlach, Programmheft (Beilage) zur Uraufführung, November 1929, Heft 10: aus 28, S. 371)

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