wege zu barlach

Ernst Barlach · 1870–1938
Bildhauer · Zeichner · Grafiker · Schriftsteller

Auf und Ab im Leben nach dem Krieg

Am 2. Januar 1920 wurde Ernst Barlach 50 Jahre alt

Ein Datum, das im allgemeinen zum Feiern im Bekannten-und Freundeskreis hätte Anlass sein können. Nicht so geschah es im Hause Barlach. Der Künstler flüchtete mit seinem Sohn Klaus vor eventuellen anlassbezogenen Begegnungen nach Warnemünde zu seinem Bruder Hans, der sich hier zur Erholung aufhielt. Die Befürchtungen, einem Gratulations-Rummel ausgesetzt zu sein, traten jedoch nicht ein. Selbst seine Mutter hätte den 50. ihres Sohnes fast vergessen. Sie war inzwischen 75 Jahre alt und bereitete ihrem Sohn Ernst zunehmend größere Sorge wegen ihres ständigen Krankseins. Zum Physischen kam vor allem das Psychische ihres angegriffenen Gesundheitszustandes, unter dem sie ja seit 1882 litt. Wegen der notwendigen ständigen Pflege der Mutter war Ernst Barlach gezwungen, einen neuen Arbeits- und Lebensrhythmus zu finden. In Ruhe arbeiten zu können, verlangte von ihm, sich auf die Nachtstunden zu konzentrieren. Um die Betreuung seines 14-jährigen Sohnes zu garantieren, fand er eine Lösung, indem der nicht gesunde Klaus (chronisches Asthma und körperliche Instabilität durch kriegsbedingt mangelhafte Ernährung) zu einem Pastor aufs Land gegeben wurde, um ihn dort „herausfüttern” zu lassen. Dennoch kam Barlach nicht so richtig zum Arbeiten, obwohl sein drittes Drama „Die echten Sedemunds” kurz vor der Fertigstellung stand, um es an den Verleger Paul Cassirer zu übergeben. Im Frühjahr 1920 stellte sich bei Ernst Barlach eine psychische und körperliche Krise ein, die ihn veranlasste, über das „Wie Weiter” nachzudenken. Hinzu kam ein materielles Problem. Es bestand darin, dass in der Nachkriegszeit bestimmte Arbeitsmaterialien noch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung standen. So fehlte Bronze, auch Holz war knapp geworden. Insofern wich Barlach auf die Fertigung mittels anderer Techniken aus, das zeigen zumindest Werkübersichten von 1919 bis etwa 1924 und am Beispiel von Friedrich Schillers „An die Freude” auch darüber hinaus (1927).

Jetzt dominierten Holzschnitte:

”Schreibender Prophet”, 1919, „Kniende Frau mit sterbendem Kind”, 1919, „Segnender Gottvater”, 1920, „Die Dome” / „Totentanz II” / „Der siebente Tag” aus „Wandlungen Gottes”, 1920, Johann Wolfgang von Goethe : „Walpurgisnacht”mit 20 Holzschnitten von Erns Barlach, geschaffen 1920-1922, verlegt bei Paul Cassirer, Berlin, 1923, „Lilith, Adams erste Frau”, 1923 aus Goethes „Walpurgisnacht”;

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Mephistopheles:
Frau Muhme! Sie versteht mir schlecht die Zeiten. Gethan, geschehn! Geschehn, gethan! Verleg' Sie sich auf Neuigkeiten! Nur Neuigkeiten ziehn uns an.
Faust:
Daß ich mich nur nicht selbst vergesse! Heiß' ich mir das doch eine Messe!
Mephistopheles:
Der ganze Strudel strebt nach oben; Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.
Faust:
Wer ist denn das?
Mephistopheles:
Betrachte sie genau! Lilith ist das.
Faust:
Wer?
Mephistopheles:
Adams erste Frau. Nimm dich in acht vor ihren schönen Haaren, vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt! Wenn sie damit den jungen Mann erlangt, So läßt sie ihn so bald nicht wieder fahren.

(Worte aus: Goethe - Auswahl in sechzehn Bänden, Fünfter Band. Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig, S. 96f.)


Friedrich Schiller: „An die Freude” mit 9 Holzschnitten von Ernst Barlach, 1924/25, verlegt bei Paul Cassirer, Berlin, 1927:

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Gedicht von Friedrich Schiller „An die Freude”

Freude schöner Götterfunken, / Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken, / Himmlische, dein Heiligtum!
Deine Zauber binden wieder, / was die Mode streng geteilt;
alle Menschen werden Brüder, / wo dein sanfter Flügel weilt.

(Worte: Friedrich Schiller, aus dem Liederbuch für die 9. und 10. Klasse „Fröhlich singen, vorwärts schauen”. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1960)


Es wurden mehrere Lithographien geschaffen:

”Abendlicher Strom”, 1919, „Der erste Tag” aus „Die Wandlungen Gottes”, 1922, „Wandernder Tod”, 1923, „An den Mond”, 1924, „Legende I”, 1924, „Der getreue Eckart 2”, 1924, „Harzreise im Winter”, 1924, „Ex Profundis”, 1924, „Frau Sorge”, 1924, „Schäfers Klagelied”;

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SCHÄFERS KLAGELIED

Da droben auf jenem Berge, / da steh' ich tausenmal,
an meinem Stabe gebogen, / und schaue hinab in das Tal.

Dann folg' ich der weidenden Herde, / mein Hündchen bewahret mir sie.
Ich bin heruntergekommen / und weiß doch selber nicht wie.

Da stehet von schönen Blumen / die ganze Wiese so voll.
Ich breche sie, ohne zu wissen, / wem ich sie geben soll.

Und Regen, Sturm und Gewitter / verpass' ich unter dem Baum.
Die Türe dort bleibet verschlossen; / denn alles ist leider ein Traum.

Es stehet ein Regenbogen / wohl über jenem Haus!
Sie aber ist weggezogen, / und weit in das Land hinaus.

Hinaus in das Land und weiter, / vielleicht gar über die See.
Vorüber, ihr Schafe, vorüber! / Dem Schäfer ist gar so weh.”

(Worte aus: Gedichte von Wolfgang von Goethe. Erster Teil, Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig, S. 40)


028_small.jpgHäufig vertreten waren Zeichnungen in Kohle:

”Barmherziger Samariter”, 1919, „Die Vertriebenen”, 1919, „Hungernde Frauen”, 1919, „Der Flötenbläser”, 1919/1920, „Frierender im Wind”, 1919/1920, „Gott Bauch”, 1920, „Vorentwurf für das Ehrenmal in der Kieler Nikolaikirche”, 1921, „Die Bekümmerte”, 1922, „Der Eiferer”, 1922, „Kniender Mann”, 1922, „Rastlose Liebe”, 1923/1924, „Freude, schöner Götterfunken”/ „Seid umschlungen, Millionen”/ „Thronender Gottvater” aus Schillers Ode „An die Freude”, 1924, „Das Wiedersehen”, 1924;


014_small.jpgEs entstand eine Reihe von Gips-Abdrücken:

”Verhüllte Bettlerin”, 1919, „Sitzender Gottvater”, 1920, „Mutter Erde I”, 1920, „Ruhe auf der Flucht I”, 1921, „Der Mann mit dem Mantel”, 1921, Kieler Ehrenmal „Schmerzensmutter”, 1921, „Der Tänzer”, 1923;


015_small.jpgEs gab vereinzelt Ton-Abdrücke:

”Kussgruppe II”, 1921, „Lesende Mönche I”, 1921, „Lesende Mönche II, 1921;


009_small.jpgPlastiken in Bronze waren kaum vertreten:

”Mutter und Kind”, Relief, 1919, „Der Flüchtling”, 1920, „Kussgruppe III”, 1921, „Das Grauen”, 1923;


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Es wurden vereinzelt Plastiken in Holz gearbeitet:

”Grabmal Louise Barlach”, Eiche, 1921, Kieler Ehrenmal „Schmerzensmutter”, 1921, im Krieg verbrannt, „Die gemarterte Menschheit”, 1919 (copyright by Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg)


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Eine gute Therapie im Sinne geistiger Entspannung und körperlicher Kräftigung sah Ernst Barlach in seiner Arbeit im Garten, oft gemeinsam angegangen mit Friedrich Schult. Auch wurden die traditionellen Spaziergänge am Wochenende mit Schult wieder aufgenommen. Für die weitere Pflege seiner Mutter wurde in Abstimmung mit einem befreundeten Arzt und mit Zustimmung der Mutter die Unterbringung in einem Heim für notwendig erachtet. Louise Barlach wurde nach Bad Kleinen bei Schwerin gebracht. Ihr ständiges Getrieben-Sein zeit ihres Lebens war der Auslöser für ihren letzten Schritt, während eines Spazierganges am dritten Tag nach ihrer Ankunft im Heim in den Schweriner See zu gehen. Sie ertrank. Das Amtsgericht Wismar formulierte als Todesursache: Unglücksfall. Ernst Barlach widmete die letzten Zeilen seines selbsterzählten Lebens dem Gedenken an seine Mutter:

Der lange Schicksalsweg meiner Mutter schien nun abgelaufen. ....wenn die Zucht ihrer Jahre unterschiedlich geriet, so war sie es gewiss nur im verschiedenen Grade der Dürre, von fetten hat sie nichts zu spüren bekommen; wenn es einen Wechsel gab, so wechselten die schlimmen mit noch schlimmeren. Schicksal teilte mit vollen Händen aus, aber mit keiner Gutes. Zurückgekehrt von ihrem Sohn in Texas, erkrankte sie und lebte lange wie sterbend, zog endlich nach Güstrow und empfing von mir in ihre kraftlosen Arme meinen Sohn zur Erziehung. Sie hatte Kraft, zu wollen, und bekam die Kraft, es zu vollenden” (2, S. 62).

Louise Barlach, die Umgetriebene, starb, wie sie gelebt hatte: unberechenbar, immer glücklich auf dem Platz, wo sie sich gerade nicht befand (3, S. 156). Louise Barlach wurde auf dem Güstrower Friedhof bestattet. 1921 gestaltete Ernst Barlach für das Grab seiner Mutter ein schlichtes Kreuz aus Eichenholz mit einem Relief, Gottvater mit ausgebreiteten Händen zeigend, auf dem Schoß ein Mensch liegend.


Nach dem Tod der Mutter suchte Ernst Barlach Abwechslung und Entspannung zur Überwindung der Last, die er zu tragen sich auferlegt hatte. Die Idee, den Wohnort Güstrow zu wechseln, verwarf er relativ schnell wieder, dagegen stabilisierte er seine angeschlagene Gesundheit durch regelmäßige gymnastische Übungen. Wanderungen, seine lebenslange Leidenschaft und Erfüllung, führten ihn stundenlang durch das Mecklenburger Land. An den langen Winterabenden las er viel. Im April des Jahres 1921 unternahm er mit Paul Cassirer und dessen Frau Tilla Durieux eine Reise Richtung Osten und Norden, sie besuchten Breslau, Stettin, dann Berlin. Nach Kiel fuhr Ernst Barlach für eine Absprache mit dem Auftraggeber, dem Kirchen-Ältesten der Nikolai-Kirchgemeinde, wegen einer Denkplatte „Schmerzensmutter” in der Nikolaikirche zu Kiel für die Gefallenen des Weltkrieges, gefertigt in Kohle und Feder, in Gips und in Holz.

Das Relief in Eichenholz mit den Worten (in Platt-Deutsch) stellte das erste, von Barlach gestaltete Kunstwerk im öffentlichen Raum dar, es verbrannte jedoch im II. Weltkrieg:

MIN HART BLÖTT VÖR GRAM AWERS DU GIEST MI KRAFT
1914-1918

(”MEIN HERZ BLUTET VOR GRAM, ABER DU GIBST MIR KRAFT”)

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Barlach schrieb im Mai 1921 an den Kirchen-Ältesten der Gemeinde: Mich verlockt bei der Herstellung der Denktafel vor allem die Gelegenheit, für einen sakralen Raum zu arbeiten.

Zu den herausgehobenen AntiKriegs-Kunstwerken zählten auch:

”Der Ekstatiker” (Der Verzweifelte), 1916, Eichenholz (4, Nr. 13), „Das Grauen”, 1923, Bronze (6, S.133), „Die gemarterte Menschheit”, 1919, ein zwei Meter hohes Holzrelief (7, S. 43).


Ernst Barlach wirbt um die Ehefrau von Friedrich Schult

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Durch die Freundschaft mit Friedrich Schult lernte Ernst Barlach auch die Familie seines Freundes kennen. Der Künstler Barlach, mit seinen Plastiken „verheiratet”, eine Haushaltshilfe neben sich duldend, hatte als über 50-Jähriger immer noch kein weibliches Wesen um sich, wodurch sein alltägliches Leben, vom Arbeitseifer geprägt, freudvoller, schöner, müheloser hätte werden können. Und nun traf er auf diese Frau, die etwas an sich zu haben schien, was ihn so faszinierte, dass er sich in sie verliebte. Frau Schult musste wohl in ihrem Verhalten gegenüber seinem Werben Sympathie für Ernst Barlach bekundet haben. Jedenfalls fühlte sich dieser ermutigt, ihr einen Heiratsantrag zu stellen, zwar wissend, aber nicht beachtend, dass Frau Schult wohl behütet in einer Familie mit ihrem Ehemann und zwei Kindern lebte. Sein Werben um Frau Schult wird Anlass gewesen sein, zum Thema „Liebe zwischen zwei Menschen” die Figuren „Kussgruppe” I (Bronze), II, (Ton unter Schellack), III (Bronze) zu formen.

Frau Schult war durch das Verhalten Ernst Barlachs schockiert, dieser wiederum fühlte sich betrogen. Um seine Enttäuschung besser bewältigen zu können, ergab sich wegen der Arbeit am Kieler Ehrenmal „Schmerzensmutter” eine gute Möglichkeit zur Flucht aus der Nähe zu Frau Schult, von der er sich fortan räumlich fern hielt. Wechselvolles Geschehen in den Beziehungen zu seinen Verwandten und Freunden war mehrmals dadurch geprägt, dass sich der Kreis der ihm Nahestehenden in den Jahren nach 1920 lichtete, manchmal durch Entfremdung, häufig auch durch den Tod. Nach schwerer Krankheit starb sein Freund und Förderer August Gaul, Ernst Barlach gehörte mit Käthe Kollwitz zu den Trauernden auf dem Friedhof von Dahlem. Barlachs Zwillingsbrüder Nikolaus und Joseph lebten damals in Amerika und hatten aufgrund katastrophaler wirtschaftlicher Verhältnisse um ihre Existenz zu kämpfen. Joseph starb 1923 im Alter von 51 Jahren, sein Bruder Nikolaus folgte ihm bereits zwei Jahre später. 1925 war Barlachs Sohn Klaus 19 Jahre alt geworden, und da stand nun die Frage der Berufswahl des jungen Mannes. Erst einmal hatte Ernst Barlach mit seinem Sohn eine Erholungsreise nach dem Süden angetreten. Sie reisten durch das Inntal und besuchten auch die Städte Passau, Nürnberg und München. Wieder zu Hause angekommen, stand der Entschluss des Sohnes fest, eine Tischlerlehre zu beginnen, was den Vater sichtlich gefreut haben wird, könnte doch ein geschickter Tischler bei Ansätzen zu einem künstlerischen Talent vielleicht die Nachfolge des Vaters antreten. Der plötzliche Tod Paul Cassirers durch Selbstmord Anfang 1926 erschütterte Ernst Barlach sehr, hatte er doch mit ihm einen Freund, seinen Förderer und den wichtigen Sachwalter seines künstlerischen Schaffens verloren. Ernst Barlach hatte sich bis dahin kaum um wirtschaftliche Fragen der „Vermarktung” seiner Kunstwerke und Dramen kümmern müssen. Einen Lichtblick gab es kurz vor dem Tod Paul Cassirers, dass dieser in seinem Kunstsalon 36 Plastiken von Barlach ausgestellt hatte. Diese Ausstellung hatte Ernst Barlach zum Anlass genommen, eine Bilanz seines Schaffens zu ziehen. Mit mehr als 50 Titeln hatte der Künstler eine stattliche Anzahl von Kunstwerken gestaltet, die ihn in Deutschland nun bekannter werden ließen. Damit hatte Ernst Barlach seine Krise überwunden, über die er, die Jahre 1922 bis 1924 betreffend, negativ geurteilt hatte:

Im Persönlichen Kränklichkeit und Krisenstimmung, vergebliches Warten oder Mühen um Auftrieb, und in Hinsicht auf die Arbeit alles in allem unzufrieden (3, S. 165).

In Barlachs Leben vollzieht sich eine Wende zum Guten

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Die hoffnungsvolle Sicht auf das weitere Geschehen im Privaten und im Künstlerischen war positiv beeinflusst worden durch Freudvolles in seinem Umfeld. Da gab es weiterhin die Kontakte zu seinem Vetter Karl in Neumünster, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband, begründet durch gleichgeartete künstlerische Interessen und Ambitionen. Engere Kontakte gab es ebenso zu seinem Bruder Hans, der nach seiner Rückkehr aus Russland in Berlin lebte, wirtschaftlich mit vielen Widrigkeiten konfrontiert. Belastend war der nicht glückliche Verlauf der Ehe von Hans mit seiner Olga aus Russland. Ein außerordentlicher Glücksfall für Ernst Barlachs weiteres Leben war eine zufällige Begegnung mit dem Ehepaar Böhmer, beide waren ebenfalls Bildhauer.1924 hatten sich Herr und Frau Böhmer am Inselsee außerhalb der Stadt Güstrow ein Haus gekauft. Irgendwann hatten wohl die neu gewonnenen Freunde dem von ihnen verehrten Künstler Barlach die Möglichkeit angeboten, in deren Haus zu Erholungszwecken ein kleines Zimmer zu beziehen. So geschah es, dass sich Ernst Barlach zu Frau Marga Böhmer hingezogen fühlte. Aus einer freundschaftlichen Beziehung wurde mehr zwischen diesen beiden Künstlern und Menschen. Die gegenseitige Zuneigung wurde dadurch befördert, dass das Ehepaar Böhmer vor der Scheidung stand, Bernhard Böhmer hatte eine andere Frau kennen gelernt. Somit waren strittige, nervenaufreibende Auseinandersetzungen zwischen den betroffenen Personen von vornherein ausgeschlossen. Die Ehe der Böhmers war 1927 geschieden worden, Marga Böhmer und Ernst Barlach waren von nun an vereint und lebten gemeinsam im ehemaligen Haus des Ehepaares Böhmer, während Bernhard Böhmer mit seiner zweiten Frau in die Wohnung des neuen Barlachschen Ateliers, 1931 erbaut, auf dem Inselsee einzog.

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Mit Bernhard Böhmer hatte Ernst Barlach trotz der zwischenmenschlichen Verwicklungen einen verlässlichen, sachkundigen und geschäftstüchtigen „Partner” gefunden, der die Lücke, die der Tod Paul Cassirers gerissen hatte, nun wieder schließen konnte. Auch zeigt ein Foto, dass Bernhard Böhmer als Bildhauer beim Aushauen der Hölzer für das Magdeburger Ehrenmal im Atelier Walkmühlenstraße behilflich gewesen war.

Die aufregenden, mit Kummer und auch Freude begleiteten Jahre bis 1926 brachten weitere fruchtbare Ergebnisse seines künstlerischen Schaffens. So entstanden: „Der Asket” (”der Beter”), 1925, „Der Träumer”, 1925, „der Apostel”, Holz-Relief, 1925, „der Krückenmann”, Kohle, wohl eine Zeichnung als Vorwegnahme des „Bettlers”, Gips, Klinker, 1930 für „Die Gemeinschaft der Heiligen”, „Tod im Leben”, Bronze, 1926, „die gefesselte Hexe”, Lindenholz, 1926, „das Wiedersehen”, 1926 Bronze. Die letztgenannte Plastik gehörte zu den Werken Ernst Barlachs, die im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst” der Nationalisten 1937 in München ausgestellt worden war.

Bild rechts: Ernst Barlachs Atelierhaus am Heidberg, 26


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